Und jetzt auch noch ein Aufruf zum Attentat?
Washington (APA/AFP) - Er beschimpft seine Kontrahentin als Schurkin und Teufelin. Er hat die Russen zum Hackerangriff auf die Ex-Außenminis...
Washington (APA/AFP) - Er beschimpft seine Kontrahentin als Schurkin und Teufelin. Er hat die Russen zum Hackerangriff auf die Ex-Außenministerin aufgefordert. Hat Donald Trump jetzt sogar zum Attentat auf Hillary Clinton aufgerufen? Bei dem Rechtspopulisten, der im US-Wahlkampf bereits serienweise Tabus gebrochen hat, scheint auch dies inzwischen vorstellbar.
Wieder entfacht der Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner einen Sturm der Entrüstung, wieder bemüht sich sein Wahlkampfteam hektisch um Schadensbegrenzung. Und wieder beschuldigt das Trump-Lager die Medien, seine Worte zu verdrehen. Der Ablauf ist in diesem Wahlkampf schon zu einem Ritual geworden. Doch der neueste Ausraster des Kandidaten scheint alle bisherigen Dimensionen zu sprengen - und könnte die Abwärtsspirale, in die er sich in den vergangenen Wochen selbst hineingetrieben hat, nochmals beschleunigen.
Den Skandal löst Trump am Dienstag bei einem Auftritt im Bundesstaat North Carolina aus. Der Immobilienmogul spricht über die vermeintlichen Pläne Clintons, das Verfassungsrecht auf privaten Waffenbesitz - den sogenannten Zweiten Verfassungszusatz - mit Hilfe linksliberaler Richter abzuschaffen. Trump sagt: „Wenn sie die Richter auswählen kann, könnt ihr nichts machen, Leute. Obwohl die Unterstützer des zweiten Verfassungszusatzes - vielleicht doch, ich weiß nicht.“
Die Worte werden sofort von vielen als Aufruf zur Gewalt gegen die Demokratin oder die Richter verstanden. Trumps Wahlkampfteam sieht sich deshalb genötigt, rasch eine Interpretation nachzuliefern. Der Kandidat habe lediglich über die „große politische Macht“ der Waffenfreunde gesprochen, die als geschlossene Gruppe gegen Clinton und für Trump stimmen würden, heißt es in einem gewunden formulierten Statement.
Doch der Sturm lässt sich so natürlich nicht mehr eindämmen. „Geschmacklos“, „abscheulich“, „gefährlich“ - die empörten Reaktionen prasseln auf Trump ein. Clintons Wahlkampfteam wettert, ein Kandidat für das Präsidentenamt sollte „in keiner Weise Gewalt vorschlagen“.
Der neueste Ausraster könnte auch die Absetzbewegungen in Trumps eigener Partei befeuern. Seit er Mitte Juli offiziell als Präsidentschaftskandidat nominiert wurde, haben sich seine Fehltritte dramatisch gehäuft, sind seine Umfragewerte abgestürzt und haben ihm zahlreiche prominente Republikaner die Gefolgschaft verweigert. So warnten 50 Sicherheitsexperten der Partei zu Wochenbeginn in einem offenen Brief vor Trump. Dem Immobilienmilliardär mangele es an „Charakter, Werten und an Erfahrung“ für das Präsidentenamt.
Zeitweise hatte sich Trump in den vergangenen Tagen in Selbstdisziplin versucht, um die Abwärtsspirale zu stoppen. So ging er auf seine innerparteilichen Kritiker zu, indem er dem Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, und Senator John McCain nach vorheriger Verweigerung die Unterstützung für deren eigene Wahlkämpfe bekundete. Am Montag hielt er dann eine konzentrierte Rede zu seinem Wirtschaftsprogramm, bei der er sich selbst von lautstarken Demonstranten nicht aus dem Konzept bringen ließ.
Doch am Tag danach in North Carolina ist er schon wieder der alte Trump. Es ist der Trump, der sich nicht ans Skript hält, der spontan daherpalavert und sich in krudem Humor und vagen Andeutungen ergeht, die sich manchmal als besonders perfide Attacken deuten lassen. Die Hoffnung, dass sich der Kandidat noch in den Griff bekommen könnte, dürfte nach seiner zweideutigen Ansprache an die Waffenfreunde in der Führung der eigenen Partei weiter schwinden.
Die immer tieferen innerparteilichen Risse tragen zur Demontage des Kandidaten bei. Zu den besonders lautstarken Trump-Gegnern in der republikanischen Elite gehört inzwischen Michael Hayden, Ex-Chef der Geheimdienste NSA und CIA. Er unterschrieb den Anti-Trump-Brief. Der neueste Ausraster des Kandidaten sei entweder eine geschmacklose Anspielung auf ein „politisches Attentat“ und ein „Versuch, lustig zu sein“ oder zeige einen „unglaublichen Mangel an Sensibilität“, empört sich Hayden.
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