Nach Putschversuch

Türkei geht auf Distanz zu NATO und wirft EU schwere Fehler vor

Am Sonntag wehten während einer Solidaritäts-Demo in Istanbul wieder unzählige Fahnen für den umstrittenen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan.
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Nach der für Erdogan enttäuschenden Reaktion westlicher Regierungen auf den Putschversuch, sucht die Türkei nach „anderen Optionen“ für Verteidigungsbündnisse.

Ankara - Die Türkei hat sich enttäuscht über die Reaktion ihrer NATO-Verbündeten auf den Putschversuch geäußert und geht auf Distanz zum Bündnis. Es sei normal, dass die Türkei in der Verteidigungskooperation nach „andere Optionen sucht“, sagte der Sprecher von Präsident Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, am Mittwoch vor Journalisten.

Außenminister Mevlüt Cavusoglu warf der EU schwere Fehler bei der Reaktion auf den Putschversuch vor. In der Bevölkerung sei die Unterstützung für eine EU-Mitgliedschaft von 50 Prozent auf jetzt wohl nur noch 20 Prozent gefallen.

NATO sichert Türkei Solidarität zu

Die Türkei habe von den westlichen Verbündeten und der NATO nach dem Putschversuch nicht die notwendige Unterstützung erfahren, kritisierte Kalin. Die NATO erklärte, die Mitgliedschaft der Türkei werde nicht infrage gestellt. Die Regierung in Ankara könne auf die Solidarität und die Unterstützung des Bündnisses zählen.

Cavusoglu sagte der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu, sollte der Westen die Türkei „verlieren“, dann wegen eigener Fehler und nicht wegen der guten Beziehungen der Türkei zu Russland, China oder der islamischen Welt.

Ankara erbost über westliche Kritik am Putsch

Die Türkei ist erbost über Kritik aus dem Westen, die Reaktion der Regierung in Ankara auf den Putschversuch sei überzogen. Nach dem versuchten Staatsstreich, bei dem 240 Menschen getötet worden waren, hat die Regierung Zehntausende Verdächtige festnehmen lassen. Zudem erwägt sie die Wiedereinführung der Todesstrafe. Letzteres würde nach Angaben der EU das Ende der Beitrittsverhandlungen bedeuten.

Die Annäherung an Russland solle keine Botschaft an den Westen sein, versicherte Cavusoglu. Am Dienstag waren die Türkei und Russland nach einer monatelangen diplomatischen Eiszeit wieder aufeinander zugegangen. Bei einem Treffen Erdogans mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin äußerten sich beide zuversichtlich, die Beziehungen normalisieren zu können. (APA/Reuters)