Bernd Wiesberger vor Rio-Start: „Für mich gehört Golf zu Olympia“
Nach 112 Jahren betritt der Golfsport wieder die olympische Bühne. Bernd Wiesberger taugt es.
Aus Rio: Günter Sagmeister
Rio de Janeiro – Es hat gedauert bis der Golfplatz, acht Kilometer vom olympischen Dorf entfernt, aus dem Sand gestampft war. Fünf Jahre währten die Rechtsstreitigkeiten um Eigentumsverhältnisse und Umweltschutz, bis endgültig die Bagger auffahren konnten. Aber heute ist es so weit: Golf kehrt nach 112 Jahren auf die olympische Bühne zurück – sofern der Sturm es zulässt. Die Krokodile und anderes Getier sind übrigens kein Problem, das sind die Profis gewöhnt von Turnieren auf der US-PGA-Tour.
Aber es ist ein holpriges Comeback des Golfsports, der beim IOC-Kongress 2009 in Kopenhagen mit 63 Ja- und 27 Neinstimmen ins Programm kam. Nur zum Vergleich: Rugby wurde mit 81:1 Stimmen aufgenommen.
Getrübt wird das Comeback auch durch die vielen Absagen – meist mit dem Verweis auf das Zika-Virus. So fehlen heute nicht nur die Top vier der Weltrangliste, sondern zwölf der besten 20. Die Golf-Damen haben damit offenbar kein Problem, sie treten vollzählig an. Die Absagen werden dem Golfsport nicht wirklich Pluspunkte einbringen, wenn das IOC im nächsten Jahr über den Verbleib über die Spiele von Tokio 2020 hinaus entscheidet.
Natürlich wird gemunkelt, dass das Zika-Virus nur als Vorwand für die Absagen dient. Doping kann ein Punkt sein. Die US-Tour geht ja, gelinde gesagt, nicht gerade aggressiv mit dem Thema um, in Rio sind Kontrollen unvermeidbar. Abschreckend mag auch gewirkt haben, dass die Zeit der Spiele laut Olympischer Charta für Teilnehmer werbefrei ist.
Und bei einigen Spielern fehlt die Akzeptanz für die Spiele im Zeichen der fünf Ringe. Rory McIlroy hat gar keinen Hehl daraus gemacht, dass ein Major-Turnier für ihn hochwertiger ist als Olympia. Die mächtige US-PGA-Tour trägt parallel zu Rio in den USA das „John Deere Classic“ mit einem Preisgeld von 4,8 Millionen Dollar aus. Einige kämpfen lieber um die Tourkarte für nächstes Jahr als um Medaillen.
Eigentlich ist es ähnlich wie 1988 in Seoul, als Tennis ins Olympia-Programm zurückkehrte. Klangvolle Namen wie Boris Becker oder Mats Wilander fehlten, erst vier Jahre danach entsprach das Starterfeld in Barcelona einem Grand-Slam-Turnier und mittlerweile ist es für Djokovic, Nadal oder Serena Williams eine nationale und emotionale Notwendigkeit, bei Olympia aufzuschlagen. Roger Federer (er fehlt verletzungsbedingt) hat etwa seine heutige Frau bei Olympia kennen gelernt.
Aber einige Stars sind ja doch gekommen: Bubba Watson, Rickie Fowler, Henrik Stenson oder Sergio García. – und natürlich der Burgenländer Bernd Wiesberger. Er saugt die Atmosphäre hier regelrecht auf und sagt: „Für mich gehört Golf zu Olympia. Ich hoffe, es bleibt auch so.“
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