„Mit Feuer und Schwert“: Christenverfolgung unserer Zeit

Wien (APA) - Dass Christen zukünftig zu einer verfolgten Minderheit werden könnten, ist in unseren Breiten eher ein populistischer Wahlkampf...

Wien (APA) - Dass Christen zukünftig zu einer verfolgten Minderheit werden könnten, ist in unseren Breiten eher ein populistischer Wahlkampfslogan als eine echte Gefahr. Mancherorts rund um den Globus sieht es dagegen anders aus: Kleine christliche Glaubensgemeinschaften müssen im Nahen Osten für ihre Ansichten einstehen und sich gegen Verfolgung „fanatischer Islamisten“ wehren, wie ein neues Buch beschreibt.

Reportagen aus dem Leben dieser Minderheiten, welche in Ländern wie dem Libanon, dem Irak oder Ägypten um ihre Existenz fürchten, hat Hans-Joachim Löwer in seinem Buch „Mit Feuer und Schwert“ zu Papier gebracht. „Wie Christen heute im Nahen Osten verfolgt werden“ steht da im Untertitel - um die Geschichten der verschiedensten Glaubensrichtungen innerhalb des Christentums zusammenzutragen, reiste der Autor quer durch den Nahen Osten. Drei Monate verbrachte Löwer in einem der gefährlichsten Teile der Erde, sein Buch wurde 2016 von „Styria Premium“ veröffentlicht.

Herausgekommen ist ein Sammelsurium von Dramen: Zerstörung, Plünderung und Mord. Der Beginn des Buches wirkt dabei noch hoffnungsvoll, ließt man doch über das idyllische, zurückgezogene Leben im letzten armenischen Dorf der Türkei. Hier versucht man, die Historie der Stadt zu verdrängen - nur wenige Armenier konnten sich retten, als ihr Volk in dieser Gegend der Erde beinahe vollständig ausgerottet wurde. Erst vor einigen Wochen erkannte der deutschen Bundestag den Völkermord an den Armenier während des ersten Weltkriegs auch als solchen an.

Eine andere Geschichte ist jene von Banine Kataya, ihrerseits Tochter eines schiitischen Scheichs. Sie konvertierte zum Christentum und setzte damit den Beginn für ein jahrelanges Martyrium. Für ihre Familie schien es unvorstellbar, dass die junge Frau sich von ihrem muslimischen Glauben abwenden könnte. Sie wurde für verrückt erklärt, sollte mit einem Verwandten verheiratet werden. Nachdem ihr die Flucht von Zuhause geglückt war, wurde jener Pater, den sie stets um Rat gefragt hatte, entführt. Die schiere Fülle solcher Tragödien, nur selten gibt es ein Happy End, macht einem auf bedrückende Art und Weise bewusst, wie sich das Leben im Nahen Osten für Christen mitunter darstellt.

Das Werk Löwers ist gespickt mit Bildern aus dem Nahen Osten, wie man sie ansonsten nur selten zu Gesicht bekommt. Es sind Bilder des Alltags in den umkämpften Regionen, von Gruppen am Rande der dortigen Gesellschaft. Es sind zudem Bilder symbolträchtiger Orte, Kultstätten auf christlicher oder muslimischer Seite. Häufig wurde Löwer von Militärs angehalten, bloß nicht die Kamera zu zücken - er tat es dennoch. Eine Marienstatue auf einem Hügel nahe Lassa oder die Gesichter von Bischöfen und Priestern rückt er ins Zentrum seiner Fotos.

Hintergrundinformationen unterschiedlichster Art finden sich in kleinen Infoboxen, im Hintergrund ein brennendes Kreuz. Erläuterungen zu Glaubensgemeinschaften wie der Syrisch-orthodoxen Kirche oder den Nestorianern liefern Hintergrundwissen zu den im jeweiligen Kapitel behandelten Schicksalen. Ohne Basiswissen vorauszusetzen werden Informationen aus der umkämpften Region erläutert, beispielsweise was es mit der Nusra-Front (der heutigen Fateh-al-Sham-Front) auf sich hat oder wer die Muslimbrüder sind. Dieses Werk ist zweifellos eine Hilfe für all jene die versuchen, sich näher mit jenen Gegenden zu befassen, die man derzeit vorrangig von Schreckensmeldungen aus den Medien kennt.

S E R V I C E - Hans-Joachim Löwer: Mit Feuer und Schwert. Wie Christen heute im Nahen Osten verfolgt werden. Verlag Styria Premium, Wien/Graz/Klagenfurt 2016. 256 Seiten, 24,90 Euro. ISBN 978-3-222-13534-7.