Palais Liechtenstein: Sammlung zieht 60.000 Besucher im Jahr an

Wien (APA) - Private Kunstsammler sind nicht erst in Zeiten sinkender Ankaufsbudgets von staatlichen Museen ein wichtiger Pfeiler der Kunstw...

Wien (APA) - Private Kunstsammler sind nicht erst in Zeiten sinkender Ankaufsbudgets von staatlichen Museen ein wichtiger Pfeiler der Kunstwelt. Wie schwer es jedoch sein kann, ohne öffentliche Förderungen die gesammelte Kunst auch zugänglich zu machen, musste jüngst das Sammlerehepaar Essl erleben. Eine ganz andersgeartete Sammlung besitzt die Familie Liechtenstein. Zu sehen ist sie jedoch nur nach Anmeldung.

„Uns ist es sehr wichtig zu sagen, dass wir nicht geschlossen haben“, betont Julia Holter, Eventmanagerin der 2012 gegründeten Dachmarke Palais Liechtenstein GmbH im APA-Gespräch im Rahmen eines Lokalaugenscheins im Gartenpalais, das in den Jahren 2000 bis 2004 aufwendig restauriert wurde, Anfang 2012 jedoch seinen Museumsbetrieb einstellte. Stattdessen können interessierte Besucher zweimal im Monat im Rahmen von öffentlichen Führungen die barocken Räumlichkeiten in Wien-Alsergrund besuchen. Zusätzlich gibt es private Führungen für Gruppen oder Zugang im Rahmen von Firmen- oder Privat-Veranstaltungen, auf die man den Fokus seit nunmehr mehr als vier Jahren legt. Die Besucherzahlen waren mit rund 45.000 Gästen pro Jahr in den Jahren davor weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben, wie Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein damals mitteilte.

Das nunmehr erprobte Modell bezeichnet Holter als zufriedenstellend. Zählt man die Besucher von Veranstaltungen und allen Führungen zusammen, erreicht man jährlich rund 60.000 Besucher, also deutlich mehr als zuletzt im Museumsbetrieb. (Zum Vergleich: Das vom Belvedere bespielte barocke Winterpalais des Prinzen Eugen, wo auch zeitgenössische Kunst gezeigt wird, verzeichnete 2015 rund 100.000 Besucher im Museumsbetrieb). Über das ganze Jahr gerechnet komme man in den beiden Liechtenstein-Palais auf ein bis zwei Führungen pro Tag. Während die nur in deutscher Sprache gehaltenen öffentlichen Führungen hauptsächlich Österreicher und Deutsche anzögen, kämen bei den privaten Gruppenführungen, die auf Englisch, Italienisch, Französisch, Russisch und bald auch Chinesisch angeboten werden, hauptsächlich Touristen aus aller Herren Ländern.

Im Jahr 2013 kam schließlich das ebenfalls komplett renovierte Stadtpalais in der Bankgasse, schräg hinter dem Burgtheater, dazu. Während im Gartenpalais, wo etwa Anna Netrebko ihre Hochzeitsfeier ausrichtete, auf 2.000 Quadratmetern die „Blütenlese der Sammlungsbestände“ gezeigt wird, die ihren Schwerpunkt auf Kunst der Frührenaissance bis zum Biedermeier legt, stehen im Stadtpalais das Neorokoko-Interieur, die Originalmöblierung sowie die Thonet-Parkettböden im Fokus. Aber auch hier finden sich Teile der Sammlung, von der nur 15 Prozent ausgestellt werden, während der Rest der 1.700 Gemälde im Depot lagert.

Einige der Besucher, die sich an diesem Freitag für eine Führung im Garten- und später auch im Stadtpalais eingefunden haben, lauschen den Ausführungen der Kunstvermittlerin jedoch nicht. Sie verfolgen die Führung über ihr Smartphone, auf der die App „Hearonymus“ installiert wurde. So ist es möglich, auch ausländische Touristen bei den öffentlichen Führungen einzubinden. In den jeweils rund einstündigen Führungen ist es jedoch ein Ding der Unmöglichkeit, alle Exponate eingehend zu betrachten. Ist es im Museum möglich, nach der Führung noch einmal in Ruhe durch die Säle zu wandern, muss man hier bei der Gruppe bleiben. Ein Security-Mitarbeiter schließt gewissenhaft die Türe, sobald die Gruppe in den nächsten Raum wechselt.

Anders ist es jedoch auch nicht im Rahmen einer der exklusiven Veranstaltungen oder Privatführungen. Während der Besuch einer einstündigen Führung im Gartenpalais im Rahmen der zweiwöchentlich stattfindenden Freitagsführungen 20 Euro kostet, verrechnet man für eine private Gruppenführung (bis zu 25 Besucher) 500 Euro. Die eineinhalbstündige Führung im Stadtpalais schlägt mit 550 Euro zu Buche (öffentliche Führung: 25 Euro, Kombiticket 38 Euro). Aber auch ein kurzer Einblick lohnt: So hat sich das Fürstenhaus entschieden, zwar weiterhin zu sammeln, sich jedoch auf die bisherigen Schwerpunkte bis zum Biedermeier zu beschränken, darüber hinaus findet nichts in den Sammlungsbestand. Ein Sammeln in die Tiefe statt in die Breite - eine Eigenschaft, die man sonst oft vergeblich sucht.