Schweden dürfen Assange in Ecuadors Botschaft verhören
Kommt jetzt endlich Klarheit in den Fall Assange? Die Schweden dürfen den Wikileaks-Gründer in der ecuadorianischen Botschaft in London vernehmen. Dort sitzt der Australier seit über vier Jahren fest.
Stockholm - Nach langem Tauziehen dürfen schwedische Staatsanwälte denWikileaks-Gründer Julian Assange in Ecuadors Botschaft in London zu einem Vergewaltigungsvorwurf befragen. Die ecuadorianischen Behörden hätten einem Verhör zu dem Vorwurf aus dem Jahr 2010 zugestimmt, sagte eine Sprecherin derAnklage amDonnerstag derDeutschen Presse-Agentur.
Weitere Vorwürfe sexueller Belästigung gegen den Australier waren im vergangenen Sommer verjährt. Ein Datum für das Verhör solle bestimmt werden, sobaldChefanklägerin Marianne Ny aus demUrlaub zurückgekehrt sei, hieß es. Assange bestreitet die Vorwürfe.
Assange lebt seit über vier Jahren in der Botschaft, um sich der Auslieferung nach Schweden zu entziehen. Vor allem aber befürchtet der Australier nach eigenen Angaben, von dort aus in die USAausgeliefert zu werden, wo ihm eine Verurteilung für die Enthüllungen seiner Plattform Wikileaks droht.
Erster Antrag Schwedens wurde noch abgelehnt
Um das Verhör hatten die Schweden sich nach eigenen Angaben seit über einem Jahr bemüht. ImDezember 2015 hatte das Land ein Abkommen mit Schweden vereinbart, das den Weg für eine Befragung Assanges durch schwedische Ermittler freigemacht hatte. Einen erstenAntrag der Schweden auf eine Befragung Assanges hatte Ecuador aus formalen Gründen abgelehnt. Darauf hatte Anklägerin Ny imMärz einen neuenAntrag gestellt, der nun genehmigt wurde.
„Die Regierung von Ecuador hat seit über vier Jahren seine Zusammenarbeit in Bezug auf dasErmöglichen eines Verhörs von Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London angeboten“, hieß es laut der Nachrichtenagentur PAin einer Stellungnahme aus Ecuador.
Die Anwälte des 45-Jährigen haben bereits mehrere Anläufe unternommen, den Haftbefehl aufheben zu lassen, waren damit aber immer gescheitert. Zuletzt hatten sie es im Frühjahr versucht, nachdem eine Expertengruppe des UN-Menschenrechtsrates die jahrelange Botschaftszuflucht des Wikileaks-Gründers als eine Form von unrechtmäßiger Haft eingestuft hatte. Nach Angaben seiner Anwälte hat der Botschaftsaufenthalt Assange außerdem gesundheitlich geschadet. Er müsse zum Zahnarzt und habe Schulterbeschwerden. (dpa)