Rattenberg: Qualität soll den Aufschwung bringen
Rattenbergs Bürgermeister Bernhard Freiberger hat ambitionierte Ziele: Er will leere städtische Immobilien füllen, den Schlossberg wiederbeleben und den Qualitätstourismus aufbauen.
Von Wolfgang Otter
Rattenberg –Der 13. März brachte in der kleinen Stadt Rattenberg einen totalen politischen Umsturz. Die Volkspartei stellte erstmals keinen Bürgermeister mehr. „Als ich angetreten bin, hat es geheißen, was willst du? Rattenberg ist schwarz und wird es bleiben“, erinnert sich heute Bernhard Freiberger, der neue Bürgermeister der Stadt Rattenberg. 128 Rattenberger gaben ihm bei der Stichwahl die Stimme, um 21 mehr als dem damals amtierenden VP-Bürgermeister Martin Götz.
Freiberger trat für die Liste „FPÖ und unabhängige Bürgerliste Rattenberg“ an, für die er bereits seit 14 Jahren im Gemeinderat saß. Zuletzt als Vizebürgermeister. Wobei er das „Unabhängig“ herausstreicht, „ich habe bei der FPÖ nichts unterschrieben“, betont er. Johannes Lugger, einst FPÖ-Landesrat und langjähriger Kommunalpolitiker in Rattenberg, war es, der ihn zur Politik brachte. Wobei der Familienvater heute keinerlei Interesse an einer landespolitischen Karriere hat, wie er bei der Frage danach dankend abwinkt.
Leicht wird es nicht, Rattenberg zu regieren, das weiß auch Freiberger. Nicht nur weil er nur drei von 11 Mandaten hat („Da braucht man Fingerspitzengefühl, aber bislang ist alles bis auf eine Abstimmung einstimmig ausgegangen“), sondern weil Rattenberg finanziell am Boden liegt.
„Das Klinkenputzen hat sich gelohnt“, war eine seiner ersten Reaktionen in der Wahlnacht am 13. März. Freiberger muss auch weiterhin Klinken putzen, in diesem Fall tauscht er die Rattenberger Haustüren mit jener des Landhauses in Innsbruck. Die Stadt schreibt zwar wieder schwarze Zahlen, aber der Handlungsspielraum im 1,7-Mio.-Euro-Jahresvoranschlag ist bescheiden, weitere Kreditaufnahmen werden von der Aufsichtsbehörde abgelehnt, daher sind Bedarfszuweisungen dringend notwendig. Der Neo-Bürgermeister und seine Mandatare müssen deswegen wieder die Kasse füllen. Darum ist Freiberger auf der Suche nach neuen Einnahmequellen. „Es ist schwer. Da gibt es zum Beispiel städtische Wohnungen, für die es nicht einmal einen Mietvertrag gibt, da werden 150 Euro Miete für 100 Quadratmeter verlangt. Aber ich kann die Miete nicht einfach erhöhen. Andererseits gibt es Wohnungen, die baufällig sind. Da suche ich nach Lösungen für die Sanierung. Einen Kredit will und soll ich ja nicht aufnehmen.“
„Aber dank des Landes konnten wir heuer einiges umsetzen“, erzählt Freiberger. „Ich sehe Rattenberg als meinen zweiten Betrieb an“, schildert der 41-jährige Unternehmer, der einen Kfz-Betrieb in Kundl betreibt, seine Arbeitsweise. Auch wenn man nicht mit finanziellen Mitteln gesegnet sei – es gebe Ressourcen, die er nun anzapfen möchte. Gemeint sind damit städtische Gebäude. „Ich möchte, dass keine Immobilie der Stadt mehr leer steht, dass wir sie über Baurecht oder Miete alle verwerten.“
Der Aufschwung soll auch über das Image der Stadt gehen. „Rattenberg, so hat es immer geheißen, ist die Glasstadt“, meint Freiberger. Dieser Ruf sei zusehends verloren gegangen. Zwar kommen noch immer die Busse voller Touristen, aber die Wertschöpfung für die Stadt könnte besser sein. „Da gibt es Busfahrer, die das Gulasch am Parkplatz an Mitreisende austeilen“, weiß der Bürgermeister. Der Touristenstrom sei zudem zeitlich begrenzt. „Wir müssen uns positionieren, den Ruf wiederherstellen und auf Qualität setzen, wenn wir zusätzlich Leute herbringen wollen“, sieht Freiberger sogar die Notwendigkeit einer Wiederbelebung des Stadtmarketings. Das könnte auch das Veranstaltungszenturm Malerwinkl wiederbeleben.
Das Bild der Stadt wird ganz eindeutig vom Schlossberg geprägt. Freiberger sicherte den Berg ab und denkt daran, einen zweiten Zugang zum Theaterbereich anzulegen. Zu sehen sind die Überreste der Burg schon von Weitem, „daher muss das Mauerwerk wieder von den Pflanzen befreit werden. Wenn die Mauer nächstes Jahr frei von Pflanzen ist und am Schlossberg die Rattenberger und Tiroler Fahne wehen, dann habe ich für 2017 gewonnen.“
Und er hat noch weitere Ideen: „Der obere Turm sollte saniert und dort die Geschichte der Region ausgestellt werden. Das wäre ein tolles Leaderprojekt.“ Auch der Festplatz benötige ein Dach. Der Bürgermeister will zudem regional denken. Für wirtschaftliche Kooperationen blickt er nach Brixlegg: „Auch hier gibt es viele Kleinbetriebe.“ Gemeinsam stark statt einsam schwach – diese Devise will er auch in der Politik beachten.
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