Olympia

Auf Judo-Kämpferin Graf warten zwei Operationen

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Trotz Bänderriss im Fußgelenk und Muskelriss in der Schulter erkämpfte Bernadette Graf bei ihrer Olympia-Premiere Platz fünf. OP und lange Zwangspause sind unausweichlich.

Von Benjamin Kiechl

Rio de Janeiro –„Wir müssen Corinna Kuhnle anfeuern!“, sagte Bernadette Graf am Tag nach ihrem Olympia-Auftritt. Wenn schon nicht selbst auf der Judo-Matte, schaute die 24-jährige Tirolerin gestern in Rio doch beim Wildwasser-Slalom der Wienerin Kuhnle aufs Paddel. Während die Tulferin eingewickelt in eine Österreich-Fahne und mit rot-weiß-rotem Hut am Kopf das Olympia-Flair aufsog, schien der Frust nach der verpassten Medaille (Rang fünf) zumindest kurzzeitig verflogen.

Neben der Innsbruckerin Kathrin Unterwurzacher (Rang sieben, bis 63 kg) darf auch Graf (bis 70 kg) auf eine starke Olympiapremiere zurückblicken – auch wenn es mit der heiß ersehnten Medaille nicht klappen wollte.

Von den Schmerzen, die Graf seit Monaten begleiten, ließ sich die 24-Jährige nichts anmerken. Wie erst gestern publik wurde, war die Tirolerin stark gehandicapt angetreten. Eine langwierige Schulterverletzung (Muskelriss) sowie ein Bänderriss im Fußgelenk schleppte Graf wie einen Mühlstein von Runde zu Runde mit, in Rio kam noch eine Verkühlung dazu. „Nur das engste Umfeld wusste über die Verletzungen Bescheid, damit die Konkurrentinnen nichts erfahren“, verriet Trainer Martin Scherwitzl.

„Das Aufstehen ist mir schwer gefallen. Die Schulter schmerzt ziemlich und kränkeln tu ich noch“, kommentierte Graf gestern: „Mit einer Medaille wäre das alles leichter zu verschmerzen gewesen.“ Die Tirolerin könnte sich in der Hoffnungsrunde gegen Kelita Zupancic (CAN) noch weiter verletzt haben. Scherwitzl: „Sie ist zusammengezuckt und konnte nach dem Kampf ihre Schulter kaum bewegen. Wer weiß, ob da nicht noch etwas dazugekommen ist.“ Alles andere als ideal war die Vorbereitung auf die Spiele gelaufen: Graf durfte nach einem Kreuzband-Einriss im Sommer 2015 für ein Dreivierteljahr nicht auf die Matte.

Geht es nach Scherwitzl und Nationaltrainer Marko Spittka, heiligt der Zweck die Mittel. „Bernadette und auch Kathrin (Unterwurzacher) zeigten eine exorbitant starke Leistung“, sagten beide unisono. Kopfzerbrechen bereite einzig Angst-Gegnerin Laura Vargas Koch (GER). „Sie scheint für Bernie im Kopf verloren. Alle anderen wären lösbar gewesen“, meinte Scherwitzl.

Nach Rio ist bereits vor Tokio 2020. Nationaltrainer Marko Spittka verlängerte mit 30. Juni seinen Vertrag und soll Graf und Unterwurzacher zu den nächsten Spielen begleiten. „Wenn sie gesund sind, zerreißen Bernie und Kathrin alles“, hofft Scherwitzl.

Davor stehen für Graf aber zwei Operationen (Schulter und Knöchel) und eine halbjährige Zwangspause an, so Scherwitzl: „Es wird nun ruhiger um sie werden, aber Bernie wird zurückkommen!“