Osttirol

Wenn am Golfplatz die Erde bebt

© Leibniz Institute for Applied Ge

Geologen erforschen das Lienzer Becken mit einem Vibrator-Fahrzeug, das kleine Erdstöße erzeugt.

Von Catharina Oblasser

Lienz, Hannover, Wien –Ab dem 16. August wird die Erde in vier Gemeinden des Lienzer Talbodens beben: Allerdings nicht so, dass jemand davon etwas mitbekommt. Denn die erzeugten Erdstöße entsprechen in ihrer Stärke nur in etwa dem Gefühl, neben einem Lkw mit laufendem Motor zu stehen.

Das erklärt Thomas Burschil vom Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (Liag) in Hannover. Er kommt mit vier Kollegen am kommenden Wochenende nach Osttirol, um seine Forschungen voranzutreiben. Von 16. bis 27. August und von 12. bis 21. September nehmen die Wissenschafter aus Deutschland gemeinsam mit der geologischen Bundesanstalt Wien und der Uni für Bodenkultur (Boku) das unterirdische Leben des Lienzer Talbodens genau unter die Lupe. Geforscht wird in Nußdorf-Debant beim Stadtlerhof, beim Gasthof Kapauner in Dölsach, in Tristach und auch am Golfplatz in Lavant. „Die Golfspieler müssen dann eben um uns herumspielen. Hoffentlich trifft uns kein Ball“, sieht Burschil die Sache humorvoll.

Und was genau tun die Wissenschafter dort? Sie machen so genannte seismische Messungen, das heißt, dass sie kleine Erdbeben selbst erzeugen – und zwar mit einem speziellen Vibrator-Fahrzeug. Die entstehenden Schwingungen dringen in den Boden ein und werden von den dort vorhandenen Schichten zurückgeworfen. Das gibt Aufschluss über die geologische Beschaffenheit des Lienzer Beckens und über die Entwicklung während der Eiszeiten, als das Becken sich mehrmals stark verformte. „Wir können erkennen, wo sich welche Sedimente befinden, etwa Sand, Moränenmaterial oder toniges Material“, schildert Burschil. Bis in tausend Meter Tiefe reicht das „Auge“ der Forscher.

Doch das ist nicht alles. Die seismischen Messungen geben auch Hinweise auf mögliche Grundwasservorkommen unter dem Talboden. Das kann für eine Notwasserversorgung wichtig sein. Und sollte jemals ein Tunnel unter dem Talboden geplant werden, ist es nötig, die Beschaffenheit des Untergrunds zu kennen. Das Projekt in Osttirol ist Teil einer großen Untersuchung, die sich mit dem Einfluss der Eiszeit auf den Alpenraum beschäftigt.

Warum sich das Lienzer Becken so gut für diesen Zweck eignet, erklärt Markus Fiebig von der Boku: „Es hat sehr steile Flanken und Felsen, die sich einige hundert Meter tief in den Boden ziehen. Das ist eine ideale Ergänzung zu anderen Untersuchungen im Voralpengebiet.“

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Catharina Oblasser

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