Filmfestival Locarno

Tribüne für anspruchsvolles Kino

© Stadtkino

Beim Filmfestival von Locarno gibt es viele Anwärter auf den Goldenen Leoparden.

Locarno –Noch stehen Beiträge aus Osteuropa und Asie­n aus. Aber schon jetzt gibt es ein­e Reihe von Filmen im Wettbewerb des am Samstag zu Ende gehenden 69. Internationalen Filmfestivals Locarno, die als Favoriten auf den Goldenen Leoparden gehandelt werden.

Das Künstlerporträt „Vernarbte Herzen“ des rumänischen Regisseurs Radu Jude wird wegen seiner stilistischen Originalität von besonders vielen favorisiert. Gute Chancen hat auch das dokumentarisch anmutende Drama „Marija“ des Schweizer Regisseurs Michael Koch. Hauptdarstellerin Margarita Breitkreiz als hartherzige junge Ukrainerin gilt zudem als aussichts­reiche Kandidatin für die Ehrung als beste Schauspielerin. Mit „Mister Universo“, der raffinierten Doku-Spielfilm-Mischung von Tizza Covi und Rainer Frimmel, findet sich unter den Anwärtern auf den Goldenen Leoparden auch ein Kandidat aus Österreich. Hoch gehandelt werden auch das bulgarische Sozialdrama „Slava“ („Glory“) oder das polnische Gesellschaftspanorama „Ostatnia rodzina“ („Die letzte Familie“).

Interessant ist, dass die von Publikum und Kritik weithin geschätzten Filme sehr genau das Profil des Festivals spiegeln: eine Mischung aus experimentellen und traditionellen Erzählformen. Der künstlerische Direktor Carlo Chatrian liegt also richtig, wenn er sagt: „Unser Festival versteht sich als Tribüne für das anspruchsvolle Kino, für Filmkunst, auch für Filme, die so gar nicht dem Gewohnten entsprechen. Genau das mag unser Publikum.“

Clou auch dieser Festivalausgabe sind natürlich wieder die abendlichen Freiluftaufführungen auf der Piazza Grande Locarnos. Zu den Regisseuren und Schauspielern die sich unter dem Sternenzelt ein Stelldichein geben, zählen neben Josef Hader unter anderem auch Harvey Keitel und Isabelle Huppert.

Während sein aktueller Film noch im Wettbewerb von Locarno läuft, plant das Regieduo Covi und Frimmel einen neuen Film, der in Wien gedreht wird. Die Trilogie, die sich um die Zirkuswelt dreht, sei mit „Mister Universo“ abgeschlossen. (APA, dpa, TT)