Zurich Insurance im zweiten Quartal erneut mit Gewinnrückgang
Zürich (APA/sda) - Die Aktien des Schweizer Versicherungskonzerns Zurich Insurance haben am Donnerstag einen Sprung um mehr als 4 Prozent na...
Zürich (APA/sda) - Die Aktien des Schweizer Versicherungskonzerns Zurich Insurance haben am Donnerstag einen Sprung um mehr als 4 Prozent nach oben gemacht. Obwohl der Versicherer in der Früh durchwachsene Geschäftszahlen für das zweite Quartal verkündete, war das den Börsianern offenbar egal.
Der Reingewinn des Zurich-Konzerns sank im zweiten Quartal laut einer Mitteilung von Donnerstagfrüh nämlich um 12 Prozent auf rund 739 Mio. Dollar (660,8 Mio. Euro). Bereits für die Monate Jänner bis März hatte die Versicherungsgruppe einen Gewinneinbruch um rund 30 Prozent auf 875 Mio. Dollar vermeldet. Somit reduzierte sich der Reingewinn für das erste Halbjahr beim Versicherungskonzern um 22 Prozent auf rund 1,6 Mrd. Dollar. Als Hauptursachen für diese Entwicklungen gibt die Gesellschaft niedrigere realisierte Kapitalgewinne, Restrukturierungskosten sowie einen höheren effektiven Steuersatz an.
Die Gesamteinnahmen der Zurich-Gruppe stiegen allerdings im zweiten Quartal um 7 Prozent auf 18,5 Mrd. Dollar, wobei sich allein die gebuchten Bruttobeiträge des unlängst akquirierten US-Agrarversicherers Rural Community Insurance Services (RCIS) im Quartal mit rund 1,1 Mrd. Dollar niederschlugen. Für das erste Semester lag der Gesamtumsatz der Zurich-Gruppe lediglich auf Vorjahresniveau bei rund 36 Mrd. Dollar.
Das Nettoergebnis aus Kapitalanlagen der Gruppe sank im ersten Halbjahr um 9,2 Prozent auf rund 3,7 Mrd. Dollar. Die Gesamtrendite auf die investierten Gelder betrug 4,7 Prozent nach 0,1 Prozent im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Als Hauptursache dafür gibt Zurich die starke Wertentwicklung bei festverzinslichen Anlagen als Folge der sinkenden Renditen an.
Der Konzern verfügt laut eigenen Angaben weiterhin über eine robuste Kapitalbasis. Die geschätzte Kapitalquote Z-ECM, ein Wert für die Finanzkraft der Gruppe, reduzierte sich per Ende Juni im Vorjahresvergleich aber hauptsächlich als Folge von Akquisitionen um 16 Prozentpunkte auf 107 Prozent. Der seit März amtierende Konzernchef Mario Greco bezeichnete die Finanzstärke der Gruppe während einer Telefonkonferenz dennoch als weiterhin sehr solide.
Der operative Gewinn, ein von Zurich zur Steuerung des Geschäfts selbst berechneter Wert, stieg im zweiten Quartal um 17 Prozent auf rund 1,1 Mrd. Dollar. Mit den Rückgängen von Jänner bis März sank dieser Betriebsgewinn im ersten Halbjahr aber um 2 Prozent auf 2,2 Mrd. Dollar.
Die Divisionen des Versicherungskonzerns Zurich haben sich im ersten Semester unterschiedlich entwickelt. So stieg der Betriebsgewinn in der größten Sparte, dem Sachversicherungsgeschäft, um 3 Prozent auf 1,2 Mrd. Dollar. Die Verbesserung sei unter anderem auf Währungsgewinne von rund 92 Mio. Dollar zurückzuführen. Die Einnahmen im Bereich Sachversicherungen sanken trotz Akquisitionen aufgrund einer Neuausrichtung der Zeichnungspolitik um 1 Prozent auf 18,5 Mrd. Dollar.
Die Schadenquote stieg im zweiten Quartal um 0,4 Prozentpunkte auf 68,8 Prozent. Dagegen sank die Kostenquote um 1,3 Prozentpunkte auf 30,3 Prozent, was laut Firmenangaben die planmäßige Umsetzung von Effizienzmaßnahmen widerspiegle. Für die RCIS-Akquisition hat Zurich laut Quartalsbericht rund 700 Mio. Dollar in bar bezahlt, wobei aus der Transaktion ein Goodwill und andere immaterielle Vermögensgegenstände im Wert von 465 Mio. Dollar sowie ein Quartalsverlust nach Steuern von 23 Mio. Dollar resultierten.
In der Sparte von Lebensversicherungen reduzierte sich das operative Ergebnis um 1 Prozent auf 667 Mio. Dollar. Dies sei hauptsächlich auf höhere Schadenansprüche in Nordamerika zurückzuführen. Die gesamten Einnahmen stiegen aber um 4 Prozent auf 15,4 Mrd. Dollar.
Der Betriebsgewinn vom amerikanischen Spezialgeschäft Farmers sank um 6 Prozent auf 678 Mio. Dollar. Dabei wurde ein Verlust bei Farmers Re, also bei Rückversicherungsgeschäften, durch starke Gewinne bei Farmers Management Services mehr als aufgehoben, hieß es dazu vom Konzern.
An mehreren Telefonkonferenzen zeigte sich Konzernchef Greco am Donnerstag mit dem Geschäftsverlauf sehr zufrieden. Es seien in den vergangenen Monaten erhebliche Fortschritte beim Effizienzprogramm erzielt worden, betonte er zudem. Auf die Frage der Nachrichtenagentur sda, weshalb Zurich bedeutende Geschäfte veräußert beziehungsweise zugekauft hat, ohne eine fertiggestellte Unternehmensstrategie zu haben, sagte Greco, dass es sich bei den Transaktionen jeweils um spezielle Gelegenheiten gehandelt habe und man nicht habe zuwarten wollen. Zurich plant, im November eine neue Konzernstrategie vorzustellen.
Die Analystengemeinde reagierte vielerorts hocherfreut auf den Quartalsabschluss und die Töne des neuen Konzernchefs. Einige unter den Finanzexperten hatten nämlich mit viel weniger erfolgreichen Resultaten gerechnet. Daher ist auch der Jubel an der Börse verständlich.
~ ISIN CH0011075394 WEB http://www.zurich.com/ ~ APA434 2016-08-11/15:41