Bezirk Innsbruck-Land

Eine kleine Kapelle als Symbol für alle Verfolgten

Konsul Otto Färber (Bild unten) stiftete die Kapelle Maria Himmelfahrt, geplant von Clemens Holzmeister.
© Domanig

Aus Dankbarkeit, das KZ überlebt zu haben, stiftete Konsul Otto Färber eine Kapelle in Bairbach bei Telfs. Nun feiert sie ihr 50-jähriges Bestehen.

Telfs –Es ist ein kleines, schlichtes Sakralgebäude, versteckt gelegen im Weiler Bairbach zwischen Telfs und Mösern: Aber die Geschichte hinter der Kapelle Maria Himmelfahrt, deren 50-jähriges Bestehen am heutigen Samstag ab 17.30 Uhr mit einer Patroziniumsmesse gefeiert wird, ist außergewöhnlich und bewegend. So wie das Leben ihres Stifters, Konsul Otto Färber (1892–1993): Aufgewachsen im damaligen Königreich Württemberg, ergriff der studierte Philosoph und Historiker den Beruf des Journalisten. Seine katholische, antinationalsozialistische Einstellung führte Mitte der 30er-Jahre zur Emigration nach Innsbruck, wo er für eine katholische Tageszeitung tätig war und österreichischer Staatsbürger wurde.

Wegen seiner politischen Haltung wurde Färber nach dem „Anschluss“ verhaftet und im Juni 1938 ins KZ Dach­au gebracht. Seine Ehefrau konnte jedoch durch Intervention bei der Gestapo in Innsbruck erreichen, dass Färber am 23. Dezember 1938 entlassen wurde. Im KZ hatte Färber gelobt, ein Gotteshaus zu stiften, sollte er die Gefangenschaft überleben. Dieses Gelöbnis löste er Jahrzehnte später in Bairbach ein.

© Dietrich

Nach dem Krieg wurde er zunächst zum erfolgreichen Zeitungsherausgeber, als einer von drei Lizenzträgern der bis heute bestehenden Stuttgarter Nachrichten. 1965 verkaufte Färber, seit 1956 österreichischer Honorarkonsul in Stuttgart, seine Anteile und zog nach Bairbach, wo er sich zur Ruhe setzte.

Dort ließ er bis 1966 die Gelöbniskapelle errichten – geplant vom berühmten Architekten Clemens Holzmeister, mit dem Färber befreundet war. „Ich habe die von Holzmeister unterschriebenen Originalpläne zu Hause. Die Bauweise im Würfelsystem ist einfach, aber wunderschön“, schwärmt Peter Lobisser, Vorsteher der kleinen Kirchengemeinde in Bairbach.

Das Gotteshaus wurde der Himmelfahrt Mariens geweiht – und einem eher unbekannten Kirchenpatron, dem heiligen Pontianus. Dafür gab es einen besonderen Grund: Pontianus, bis 235 Bischof von Rom, wurde nach der gewaltsamen Beendigung der Kirchenspaltung in die Bleibergwerke auf Sardinien verbannt. Dort starb er an den Strapazen der unmenschlichen Arbeit. Färber, der über den „Papst im Bergwerk“ sogar ein Buch geschrieben hat, sah Pontianus als „Schicksalsgefährten“. Die Kapelle in Bairbach solle daher auch dem Gedächtnis an all jene dienen, „die im Laufe der Jahrhunderte um ihres Glaubens und ihrer Überzeugung willen verfolgt wurden“, schrieb Färber. Im Altar sind sogar drei Steine aus dem römischen Bergwerk in Sardinien eingemauert, in dem Pontianus umgekommen ist.

Später schenkte Färber die Kirche samt Grundstück an die Pfarre Peter und Paul in Telfs – mit der Bedingung, dass in Bairbach stets Messen gelesen werden sollten.

Das ist bis heute jeweils am ersten Samstag im Monat der Fall – obwohl Bairbach nur wenige Dutzend Einwohner hat. „Es kommen aber auch Leute aus Telfs und Pettnau“, erzählt Lobisser. Die Kirche wird heute von zwei Bairbacher Familien liebevoll betreut. Konsul Färber würde sich darüber sicher freuen. (md)