Motorrad: Piloten begrüßen Sicherheitsmaßnahmen in Spielberg
Spielberg (APA) - Die Grand-Prix-Piloten haben vor dem Comeback der Motorrad-WM in Österreich die auf dem Red Bull Ring vorgenommenen Umbaut...
Spielberg (APA) - Die Grand-Prix-Piloten haben vor dem Comeback der Motorrad-WM in Österreich die auf dem Red Bull Ring vorgenommenen Umbauten und Sicherheitsmaßnahmen begrüßt. Trotzdem gibt es bei Valentino Rossi und Co. noch Bedenken wegen einiger Stellen, die sie für gefährlich halten. Spätestens 2017 sollten diese beseitigt sein, forderten die Piloten am Donnerstagabend.
Bei der Fahrer-Pressekonferenz wurde die Rückkehr der Zweirad-WM nach 19 Jahren nach Österreich klar begrüßt. Dass man nach dem tragischen Unfall von Luis Salom im Juni in Barcelona aber auf dem Highspeed-Kurs in der Steiermark hinsichtlich Sicherheit hypersensibel ist, war offenkundig.
Speziell asphaltierte Auslaufzonen haben die Fahrer im Visier und die Verantwortlichen haben deshalb nach Gesprächen mit Sicherheitschef Franco Uncini auf dem Red Bull Ring einige gravierende Änderungen durchgeführt. So wurde nicht nur über den Winter die Strecke neu asphaltiert, womit die Bodenwellen beseitigt wurden. Zuletzt hat man auch in der kritisierten, weil für gefährlich gehaltenen Zielkurve (Kurve zehn) die Strecke durch aufgemalte Kerbs von 13 auf 10 Meter verengt und die Randsteine etwas nach innen gebracht.
Hintergrund ist, dass es auf Autorennstrecken zunehmend mehr asphaltierte Auslaufzonen gibt, auf denen gestürzte Motorräder speziell bei Regen aber extrem lange und schnell dahin rutschen. Dies war Moto2-Pilot Salom womöglich zum Verhängnis geworden. Der Spanier war nach ersten Erkenntnissen nach dem Sturz mit seinem Bike kollidiert und hatte dabei tödliche Verletzungen erlitten.
Nach den Freitag-Trainings wollten die Piloten auf dem Red Bull Ring deshalb weitere Gespräche mit Uncini führen. „Zuerst müssen wir fahren, bevor wir über Sicherheit sprechen“, forderte WM-Leader Marc Marquez. Weltmeister Jorge Lorenzo meinte: „Wir sind jetzt in dieser Kurve zehn langsamer und auch die Streckenbegrenzung ist weiter weg. Die Auslaufzone ist und bleibt aber Asphalt und dahinter ist eine Mauer.“
Bekanntlich halten die Motorrad-Piloten Kiesbetten für deutlich effizienter. Das aber ist in der Formel 1 nicht so beliebt, weil für dort gestrandete Autos das Rennen meist vorbei ist. Auf Asphalt können sie hingegen leicht wieder auf die Strecke zurück kehren. Die MotoGP-Bikes sind mit 330 bis 340 km/h ähnlich schnell wie die Formel 1, die Piloten aber nur durch Helme, Lederkombis, Stiefel und Airbags geschützt.
Die Piloten der MotoGP wollen daher anderes. Nämlich große Auslaufzonen mit Kiesbetten, die gestürzte Motorräder langsamer machen oder sogar stoppen, ehe sie in die Begrenzung krachen.
„Der Red Bull Ring ist eine sehr schnelle Strecke und schnell ist immer auch gefährlich“, warnte Superstar Rossi. Der neunfache Weltmeister hat weniger betreffend Kurve zehn Sorgen, sondern vielmehr über die Ausfahrt von der zweiten Linkskurve im Infield. Kurve acht lässt ihm offenbar die Haare zu Berge stehen: „Dort geht es mit Highspeed dahin und die Begrenzung ist sehr nahe. Für mich ist das die gefährlichste Stelle, da müssen wir etwas tun.“
Auch Daniel Pedrosa (Kurve zwei) und Andrea Dovizioso („In Kurve vier ist zu wenig Auslauf“) äußerten Bedenken. Der Brite Cal Crutchlow, zuletzt am soeben für weitere fünf WM-Jahre bestätigten Sachsenring Zweiter hinter Marquez, brachte es für sich so auf den Punkt: „Motorradfahren ist gefährlich. Wir Piloten können nur zusammenhalten und versuchen, zusammen mit den Veranstaltern für mehr Sicherheit zu sorgen.“
Der Sturz von Salom war womöglich von einer Strecken-Unebenheit ausgelöst worden. Das Problem hat man in Spielberg nach der Neu-Asphaltierung nicht.
„Als ich Saloms Sturz das erste Mal gesehen habe, dachte ich, dass mit seinem Motorrad etwas nicht in Ordnung war“, sagte Rossi. „Wenn dem nun doch nicht so war, haben wir ein Riesenproblem, denn es gibt noch viel gefährlichere Kurven als diese“, warnte der Italiener. Rossi gab aber auch zu: „Es war eine sehr unglückliche Unfall-Dynamik. Der Sturz-Winkel war ungünstig.“
Andere Piloten sprechen höchst ungern über den Unfall in Spanien. „Ich möchte nicht zu viel darüber sagen bevor die Untersuchungen nicht abgeschlossen sind“, winkte etwa Lorenzo ab.