ÖOC-Präsident Stoss: „Knapp daneben ist halt auch vorbei“
Es sollte noch nicht sein: Zweckoptimist und ÖOC-Präsident Karl Stoss macht gute Miene zu den immer noch medaillenlosen Olympischen Spielen der österreichischen Mannschaft in Rio de Janeiro.
Bei Ihnen erkundigen sich wohl immer mehr Menschen, wann es endlich die erste österreichische Medaille gibt. Geht Ihnen diese Frage auf die Nerven?
Stoss: Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Frage inzwischen zum Thema Nummer eins geworden ist. Nicht nur bei den österreichischen Journalisten, ich werde auch von Kollegen aus anderen Nationen darauf angesprochen. Aber was soll ich machen? Ich kann halt nicht zaubern.
Wann und in welchem Bewerb wird es so weit sein?
Stoss: Ich möchte jetzt keine Sportart herausstreichen, der Druck, der auf dem Team lastet, ist ohnehin schon groß genug. Vor allem im Wasser sollten wir sehr gut unterwegs sein, das ist ja kein Geheimnis. Schön wäre es jedenfalls, wenn es bald scheppert. Das würde die ganze Mannschaft aufatmen lassen.
Befürchten Sie inzwischen schon, dass es in Rio eine Nullnummer wie in London werden könnte?
Stoss: Nein, ich glaube an den Erfolg. Wir haben noch einige heiße Eisen im Feuer. Wir müssen jetzt noch mehr Optimismus ausstrahlen. Unsere Leute sind top vorbereitet. Natürlich ist es mir aber auch bewusst, dass Olympia keine gmahde Wies’n ist. Da gehört halt auch das Quäntchen Glück dazu, das uns hier noch gefehlt hat.
Die Leistungen der österreichischen Sportler waren in den vergangenen Tagen insgesamt ja nicht so schlecht, etwa im Judo.
Stoss: Bernadette Graf hätte ich wirklich eine Medaille gegönnt. Ich habe über ihren Kampfgeist gestaunt. Aber knapp daneben ist halt auch vorbei. Schade.
Sie persönlich sind ja Gold sehr nahegekommen, als Sie bei der Siegerehrung dem US-amerikanischen Schwimm-Superstar Michael Phelps dessen 25. Medaille umgehängt haben.
Stoss: Das war wirklich sehr eindrucksvoll, wenn man sieht, mit welchen Emotionen diese Sportler nach dem Bewerb zur Siegerehrung kommen. Die sind alle fix und fertig, weil sie sich in ihrem Rennen total verausgabt haben, um genau zum richtigen Zeitpunkt über sich hinauszuwachsen. Das ist eine Eigenschaft, die vielleicht unseren Leuten etwas fehlt.
Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus, was die zuletzt thematisierten Sicherheitsprobleme betrifft?
Stoss: Es hat für mich noch keine einzige Situation gegeben, in der ich Angst gehabt hätte. Ich gehe aber auch nicht um zwei Uhr Früh joggen. Organisatorisch laufen die Spiele nach dem schlechten Start mit den Pannen im olympischen Dorf recht passabel. Auch die Verkehrssituation stellt sich anders dar als ursprünglich befürchtet. Außerdem habe ich festgestellt, dass die Journalisten aus der Zika-Mücke einen Elefanten gemacht haben. Ich habe noch keine Mücke gesehen.
Gibt es auch etwas, das Ihnen hier gar nicht gefällt?
Stoss: Ja, schon. Dass die Gegner von brasilianischen Sportlern so gnadenlos ausgepfiffen werden, wie es beim Beachvolleyball unserem Team passiert ist. Das gefällt mir überhaupt nicht. So etwas hat hier nichts verloren.
Das Gespräch führte Christoph Zöpfl