Der Theatermacher im Räuberwald - Hartmann inszeniert Schiller 1

Salzburg (APA) - Ex-Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann feiert Anfang September sein Theater-Comeback in Österreich. Am Salzburger Landes...

Salzburg (APA) - Ex-Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann feiert Anfang September sein Theater-Comeback in Österreich. Am Salzburger Landestheater inszeniert Hartmann gemeinsam mit Dietrich Mateschitz‘ Fernsehsender Servus TV „Die Räuber“ als theatralisches Filmprojekt. Die APA traf den Theatermacher während der Proben in der Salzburger Rainerkaserne zum Interview.

APA: Das Projekt, „Die Räuber“ als Film zu inszenieren, liegt Ihnen schon lange am Herzen?

Hartmann: So kam ich zu Servus TV. Es gibt die Idee, dieses Projekt zu machen, seit damals, als ich bei Peymann Regisseur war und zum ersten Mal „Die Räuber“ inszeniert habe. Da habe ich gedacht: interessant, Franz Moor ist immer derjenige, der auf der Bühne reüssiert, weil er Entertainer-mäßig zu den Zuschauern sprechen kann. Da hat Schiller auch viel bei Shakespeare abgeguckt von Richard III. Und Karl Moor ist eigentlich immer der Verlierer. Ich habe damals festgestellt, dass mir diese Karl Moor-Figur immer mehr ans Herz geriet. Er ist eigentlich ein Mörder wider Willen, er ist einer, der das Gute sucht, und das Böse schafft. Er ist damit auch eine sehr deutsche Figur, wenn man etwa an die jüngste Vergangenheit, die RAF und solche Geschichten denkt, und er ist jemand, der in einer Schicksalsgeworfenheit ist, aus der er nicht herauskommt.

APA: Klingt wie geschaffen für eine filmische Inszenierung ...

Hartmann: Diese Figur wird im Film interessant wie James Dean. Eine Figur, die trotzig ist, die stolz und sexy ist, mit der man Sympathie hat, obwohl er am Ende sein Mädchen umbringt und obwohl der den Pulverturm in die Luft jagt und damit Massenmord begeht. Und trotzdem hängt dein Herz an ihm. Das ist eine filmische Figur, und so bin ich immer wieder damit beschäftigt gewesen, einen Film machen zu wollen.

APA: Warum hat es mit der Umsetzung so lange gedauert?

Hartmann: Es ist verrückt, aber es gab immer wieder Gründe, warum es nicht geklappt hat. Zuerst wollte ich das mit einer Produktionsfirma von Leo Kirch machen - der starb. Dann alles wieder auf Start und ich wurde Intendant in Bochum. Als ich dann am Burgtheater war, habe ich gesagt, ich muss dieses Thema irgendwann mal abarbeiten. Ich nehme die großen Hallen der Probenbühne, werde das dort als einen lebendigen Film inszenieren und auf die Burgtheaterbühne übertragen. Das habe ich Herrn Mateschitz vorgeschlagen, und er hat gesagt, ja das mache ich. Als ich dann an der Burg gefeuert wurde, hat Herr Mateschitz ein paar Wochen später gefragt, was ist jetzt mit unseren Räubern, machen wir die oder machen wir die nicht. Ich habe gesagt, ich falle jetzt als Vertragspartner Burgtheater aus. Wenn du es trotzdem machen willst, machen wir es halt alleine. Das wollte er, und so ist es gekommen und jetzt ist es endlich so weit.

APA: Was bekommen wir da am Theater und im Fernsehen zu sehen?

Hartmann: Wenn es gut wird, dann wird es den Charme haben, dass man von Seiten des Theaters und des Fernsehens an einem lebendigen Prozess beteiligt wird. Dass man dabei ist, wie im Theater Film entsteht.

APA: Kann das überhaupt gutgehen, sind diese beiden Medien Theater und Fernsehen nicht ein Widerspruch in sich?

Hartmann: Absolut. Es ist tatsächlich sehr schwer, diese beiden vollkommen fremden Welten zusammenzubringen. Im Theater sperren wir die Menschen in einen Raum, schließen die Türen, machen das Licht aus. Wenn sie da in der achten Reihe Mitte sitzen, haben sie es schwer wieder zu gehen. An der Frequenz von Hustern und Rucklern auf den Sesseln haben wir immer rausgefunden, ob das auch spannend genug ist. Das ist im Fernsehen eine ganz andere Challenge. Da kämpfen sie gegen die Fernbedienung, und wenn etwas nicht wirklich Aufregendes passiert oder meine Neugier nicht weckt, dann habe ich diesen bösen kleinen Teufel Fernbedienung in der Hand und bin innerhalb von Sekunden weg. Wir versuchen hier etwas Unmögliches. Wir wollen es mit einem Theaterstück gleichwohl schaffen, dass die Menschen nicht sofort wegschalten. Dass wir hier kein leichtgängiges easy-going Programm schaffen und dass wir auch ein bisschen die Neugier der Zuschauer brauchen, die solche Cultural Events aufsuchen, ist schon klar. Wir haben jedenfalls eine Schnittgeschwindigkeit für Live-Kameras, die rekordverdächtig ist. Es wird das erste Mal überhaupt sein, dass wir ein Live-Theaterstück so inszenieren als wäre es ein Spielfilm und es zugleich broadcasten.