Der Theatermacher 2 - Ostermayer brauchte einen „Buhmann“

Salzburg (APA) - APA: Im Mai sah es für 24 Stunden so aus, als würde Servus TV eingestellt. Ein Schreckmoment für das Projekt?...

Salzburg (APA) - APA: Im Mai sah es für 24 Stunden so aus, als würde Servus TV eingestellt. Ein Schreckmoment für das Projekt?

Hartmann: Innerhalb von 24 Stunden kann man sich noch nicht einmal richtig erschrecken, und wenn man anfängt, sich zu erschrecken, dann ist es schon wieder vorbei. Ich habe das nicht als existenzielle Bedrohung empfunden.

APA: „Die Räuber“ sind Ihr Theater-Comeback in Österreich. Wie fühlt sich das nach dem Rauswurf am Burgtheater an?

Hartmann: Ich habe in der Zwischenzeit ja international Opern inszeniert, jetzt komme ich gerade aus Turin, und ich habe in Dresden den „Idioten“ gemacht. Ich arbeite parallel im Theater und bin dankbar, dass man mir diese Möglichkeiten gibt, und es fühlt sich an wie mein Leben, das ich seit 30 Jahren gelebt habe.

APA: „Die Räuber“ wurden vom Theaterfestival Hamburg koproduziert. Der Tourplan sieht auch eine Ihre Rückkehr nach Wien vor - ans Volkstheater, nicht an die Burg ...

Hartmann: Ich habe pedantisch darauf bestanden, dass es das Volkstheater ist. Ich freue mich auf Wien. Ich habe viele Fans. Ich merke das, wenn ich in Wien auf der Straße bin, die Menschen halten mich in der U-Bahn an, die Menschen im Restaurant bleiben stehen und kommen zu mir und drücken oft auf die entzückendste Art und Weise ihr Bedauern darüber aus, dass es mich da nicht mehr gibt. Und wenn ich jetzt nach Wien komme, bin ich überzeugt, dass diese Fans kommen werden. Jetzt muss es nur noch gelingen.

APA: Sie ertragen es nicht, wenn Sie zum Burgtheater befragt werden, sind aber auch sauer, wenn Sie nicht gefragt werden. Was gibt es zum Burgtheater noch zu sagen?

Hartmann: Dass es im Moment jenseits von persönlichen Enttäuschungen und menschlichen Desastern in dieser ganzen traurigen Geschichte eine Phase gibt, in der im Hintergrund alle Fragen juristisch geklärt werden. Und dafür brauchen wir jetzt Ruhe und keine mediale Begleitung.

APA: Ein Sachverständigengutachten der Korruptionsstaatsanwaltschaft hat in der Causa Burgtheater die ehemalige kaufmännische Geschäftsführerin Silvia Stantejsky belastet, nicht aber Sie als Direktor. Eine Genugtuung?

APA: Wenn ich jetzt da gesessen und gezittert hätte, aber das war mir ja klar, wenn wir es hier nicht mit Halunken, sondern mit objektiven Instanzen zu tun haben. Die Genugtuung kann nur darin bestehen, dass dem ehemaligen Kulturminister (Josef Ostermayer, Anm.), der aus populistischen Gründen einfach versucht hat, einen Buhmann zu finden, nicht recht gegeben wird. Denn der hat unter Wahrheitspflicht und im Zeugenstand gesagt, dass die Entlassung meinerseits erfolgt sei, weil ich Frau Stantejsky nicht genügend überwacht hätte. Das war der offizielle Entlassungsgrund.

APA: Wie fanden Sie dann eigentlich den Umstand, dass mit Thomas Drozda ein neuer Kulturminister kam, der einst im Burgtheater der Vorgesetzte von Frau Stantejsky war?

Hartmann: Nächste Frage.

APA: Sie rechnen also mit Ihrer Rehabilitierung?

Hartmann: Ja. Im Prinzip ist sie ja schon erfolgt. Jeder weiß ja in Wahrheit, was los ist.

(Das Interview führte Johannes Bruckenberger/APA)