Nostalgie oder Kalkül: Staatsbegräbnis für Rumäniens „Königin“
Bukarest (APA/dpa) - In Rumänien ist ein ausgebrochen. Anlass ist der Tod der Frau von Ex-König Mihai I., die ein Staatsbegräbnis bekommt. W...
Bukarest (APA/dpa) - In Rumänien ist ein ausgebrochen. Anlass ist der Tod der Frau von Ex-König Mihai I., die ein Staatsbegräbnis bekommt. Wollen die Politiker nur royalen Glanz herbeizaubern oder planen sie mehr?
Sie war nie die Königin Rumäniens. Trotzdem bekommt „Regina Ana“, wie die kürzlich verstorbene Gattin des rumänischen Ex-Königs Mihai I., im Volksmund heißt, in der Heimat ihres Manns an diesem Samstag ein Staatsbegräbnis. Politik und Medien des exkommunistischen EU-Lands sind vom Monarchie-Fieber gepackt.
Anne Antoinette Francoise Charlotte Zita Marguerite de Bourbon-Parma war am 1. August im schweizerischen Morges im Alter von 92 gestorben. Geplant ist ihre Beisetzung in einer eigens für die künftigen Gräber der Ex-Königsfamilie neu errichteten orthodoxen Kathedrale im südrumänischen Karpaten-Ort Curtea de Arges, neben einem von Legenden umwobenen Kloster. Der 94-jährige Mihai, König von 1940 bis 1947, wird aus Gesundheitsgründen nicht dabei sein.
Die Staatspräsidenten der Nachbarländer Rumänien und Moldau nennen die Verstorbene offiziell „Ihre Majestät Königin Ana“: Neben Rumäniens Staatschef Klaus Iohannis verneigte sich auch dessen moldauischer Kollege Nicolae Timofti vor dem Sarg, der nacheinander in den Ex-Königsschlössern im Karpaten-Ort Sinaia und in Bukarest aufgebahrt war. Für den Tag der Beerdigung wurde in beiden Ländern Staatstrauer angeordnet.
Was wird hier gespielt? Testet die Republik Rumänien die Wiedereinführung der Monarchie? Wird nebenbei auch eine symbolische Vereinigung unter der Krone mit der Ex-Sowjetrepublik Moldau geprobt, deren Territorium bis 1940 - also zur Zeit der Monarchie - zum größten Teil rumänisches Staatsgebiet war?
„Regina Ana“ hatte Mihai I. aus dem Hause Hohenzollern-Sigmaringen 1948 in Griechenland geheiratet, nach dessen Vertreibung durch die rumänischen Kommunisten am 30. Dezember 1947. Kennengelernt hatte sich das Paar 1947 bei der Hochzeit der damaligen britischen Prinzessin Elisabeth und späteren Queen in London. Danach stand Anne stets diskret im Hintergrund. Erst jetzt wird breit über ihre Verdienste während des Zweiten Weltkriegs als Freiwillige in der Exil-Armee von General Charles de Gaulle gesprochen, für die sie später Frankreichs Verdienstkreuz bekam.
Zieht in Rumänien der Mythos Monarchie? Soziologen schätzen den Anteil der rumänischen Monarchisten auf nur 20 bis 25 Prozent. Die rumänischen Royals haben höchst unterschiedliche Rollen gespielt. Als wichtigster Modernisierer des Landes wird Carol I. (1839-1914) gesehen, der Urgroßonkel von Mihai. Als Karl von Hohenzollern-Sigmaringen kam er 1866 - vor genau 150 Jahren - auf Druck der Westmächte als Herrscher mit dem Titel eines Fürsten nach Rumänien. 1881 wurde er zum König gekrönt.
Die negativste Figur ist sein Großneffe Carol II. (1893-1953), Mihais Vater. Er amtierte von 1930 bis 1940, war berüchtigt als leichtfertiger Playboy, Kumpan der Wirtschaftsmafiosi, Despot und Verbündeter Hitlers. Hingegen hat sein Sohn Mihai im August 1944 den Frontwechsel Rumäniens auf die Seite der Alliierten mitgestaltet: Er ließ den Hitler treuen, diktatorisch regierenden Marschall Ion Antonescu verhaften.
1997 bekam Mihai auf Betreiben der damaligen bürgerlichen Regierung die rumänische Staatsbürgerschaft zurück und später auch viele Immobilien. Der Bukarester Elisabeta-Palast wurde ihm als Dienstwohnung in seiner Eigenschaft als Ex-Staatschef zugesprochen. Zuletzt versöhnte sich Mihai sogar mit den Wendekommunisten, die Anfang der 1990er Jahre versucht hatten, seine Rückkehr nach Rumänien zu verhindern. Dies nehmen ihm etliche Monarchisten übel.
Kritiker meinen, dass nun Mihais älteste Tochter Margareta, die als „Thronfolgerin“ gilt, auch nach einem Tod ihres Vaters den Elisabeta-Palast behalten wolle. Deshalb plane die Regierung von Ministerpräsident Dacian Ciolos, dem „Königshaus“ per Gesetz einen offiziellen, staatlich subventionierten Status zu verschaffen. Ein erster Schritt in diese Richtung geschah vor wenigen Wochen: Das Parlament beschloss, dass der bisher barhäuptige Adler in Rumäniens Staatswappen eine Krone tragen soll.