Zuhälter-Schloss ärgert Mieter in Innsbrucker Problemhaus
Im Haus Mitterweg 87 wird jede Nacht der Hinterausgang mit einer Kette versperrt.
Innsbruck –Eine Kette und ein Vorhängeschloss: Diese beiden Gegenstände sorgen seit Wochen für Ärger im Innsbrucker Problemhaus Mitterweg 87. Jetzt ermittelt sogar die Baupolizei. Der Grund: Kette und Schloss verriegeln Nacht für Nacht den zweiten Ausgang des Wohnblocks. Angeblich das Werk von Zuhältern, die offenbar „ihre“ Prostituierten schützen wollen. „Wir prüfen, ob es sich um einen offiziellen Notausgang handelt“, bestätigt Christian Kugler, Chef der Innsbrucker Baupolizei, entsprechende Nachforschungen.
Das Haus Mitterweg 87 mit mehr als 100 Wohnungen gilt seit Jahren als Zentrum der illegalen Prostitution. In neun Appartements bieten derzeit bis zu je vier Prostituierte ihre Dienste an. Die Anbahnung der Schäferstündchen findet häufig auf offener Straße statt. Regelmäßig kontrolliert die Polizei. Und das seit Jahren.
Seit einigen Wochen setzen die Zuhälter auf eine neue Taktik: „Sie versperren Nacht für Nacht zwischen 22 Uhr und vier Uhr den Hinterausgang mit einer Kette. Dazu mussten sie eigens ein Loch in die Tür bohren“, schildert eine Anrainerin: „Wer jetzt zum Müllhäuschen oder von außen in den Radkeller will, muss das ganze Gebäude umrunden.“ Außerdem versperrt das Schloss auch den Fluchtweg im Fall eines Brandes. „Wir können aber nur einschreiten, wenn es sich um einen offiziellen Notausgang handelt“, sagt der Chef der Baupolizei: „Wenn nicht, ist das eine zivilrechtliche Angelegenheit, uns sind dann die Hände gebunden.“
Warum die Zuhälter den Hinterausgang versperren, ist unklar. „Vielleicht haben Freier, ohne zu bezahlen, durch diese Tür das Weite gesucht“, vermutet ein Mieter. Die Polizeikontrollen sind eher nicht der Grund, „wir kommen durch den Haupteingang“, sagt ein Beamter. (tom)