Weiterer japanischer Atomreaktor geht ans Netz
Tokio (APA/AFP) - Trotz Protesten von Anwohnern geht in Japan ein weiteres Atomkraftwerk wieder ans Netz. Der Reaktor drei des AKW Ikata in ...
Tokio (APA/AFP) - Trotz Protesten von Anwohnern geht in Japan ein weiteres Atomkraftwerk wieder ans Netz. Der Reaktor drei des AKW Ikata in der Präfektur Ehime sei am Freitag hochgefahren worden, teilte der Betreiber Shikoku Electric Power mit. Der Meiler werde am 22. August wieder voll einsatzbereit seien.
Die Präfektur und der Bürgermeister der 700 Kilometer südwestlich von Tokio gelegenen Stadt Ikata hatten im Oktober grünes Licht für die Inbetriebnahme des Reaktors gegeben. Eine Gruppe von Anwohnern zog vor Gericht, um den Neustart des Reaktors zu verhindern. „Wir wollen kein neues Fukushima“, erklärten die Initiatoren am Freitag. Durch die Verwendung des hochradioaktiven Uran-Plutonium-Gemischs MOX gehe eine besondere Gefahr von dem Reaktor aus.
Nach der Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 waren in Japan alle Atomanlagen abgeschaltet worden. Seitdem gelten verschärfte Sicherheitsauflagen. Derzeit sind außer dem Reaktor in Ikata zwei weitere japanische Meiler in Betrieb. Zwei weitere Reaktoren waren Anfang 2016 ans Netz gegangen, ein Gericht ordnete jedoch schon wenig später wegen unzureichender Sicherheitsmaßnahmen ihre Abschaltung an.
Japan will bis zum Jahr 2030 bis zu 22 Prozent seiner Energie wieder aus Atomstrom beziehen. Dass die konservative Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe trotz Protesten der Bevölkerung zur Nuklearenergie zurückkehrt, hat in erster Linie wirtschaftliche Gründe.
In Fukushima war infolge eines schweren Erdbebens und eines Tsunami am 11. März 2011 das Kühlsystem ausgefallen, woraufhin sich in mehreren Reaktoren eine Kernschmelze ereignete. Drei der sechs Reaktoren wurden bei der Katastrophe zerstört und das umliegende Gebiet radioaktiv verseucht. Die Aufräumarbeiten sollen noch vier Jahrzehnte dauern. Zehntausende Menschen mussten damals die verstrahlte Gegend verlassen.