Eher nix für Trump und fix für Clinton
Er macht keinen Lärm, polarisiert nicht, empört nicht und hat ein Image, das Zuverlässigkeit entspricht: der Avensis Touring Sports von Toyota.
Von Markus Höscheler
Innerbraz –Die US-Amerikaner können pingelig sein: Sie verschmähen Kombis, verteufeln den Diesel und verbitten sich zurückhaltende Präsidentenwahlkämpfe. Somit ist der Avensis Touring Sports eher nicht denkbar für die beiden Kandidaten, die sich via November-Wahl für das Weiße Haus in Washington bewerben. Toyotas Mittelklasse-Fahrzeug ist ein klassisches Langheck, basierend auf der bei uns wenig nachgefragten Limousine. Die Front ist ansehnlich, der schmale Kühlergrill, verbunden mit sich nach außen zunächst verbreiternden, dann verjüngenden Bi-LED-Frontscheinwerfern. Aktives Kurvenlicht erleichtert das Abbiegen, LED-Tagfahrlicht verschönert den Auftritt des 4,82 Meter langen Wagens. Die Dachlinie fällt hinten leicht ab, darunter finden sich abgedunkelte Seiten- und Heckscheiben, die einen einhegen und ein Laderaum, der zwischen 543 und 1609 Liter anbietet.
Die Technik
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Hubraum: 1995 ccm
Drehmoment: 320 Nm bei 1750 U/min
Leistung: 105 kW/143 PS
L/B/H: 4820/1810/1480 mm
Gewicht: 1610/2100 kg
Kofferraumvolumen: 543 – 1609 l
Tankinhalt: 60 l
Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
0 – 100 km/h: 9,5 Sekunden
Verbrauch: 6,5 l/100 Kilometer
Kraftübertragung: Vorderradantrieb
Preis: 42.971,72 Euro
CO2-Emission: 124 g/km
Als Antriebsaggregate kämen zwar Benzinmotoren auch in Frage, mehr Zuspruch erhalten bei uns – im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten von Amerika – aber die Selbstzünder, zu Recht auch der im TT-Dauertestwagen arbeitende Zweiliter-Ölmotor. Der kann mit 143 PS Leistung und einem Nenndrehmoment von 320 Newtonmetern aufwarten – die Kraftentfaltung ist ordentlich, die Laufkultur ebenso, der Verbrauch liegt derzeit bei 6,5 Litern je 100 Kilometer. Hier sehen wir noch etwas Potenzial nach unten, die nächsten Monate werden zeigen, ob sich der noch frische Motor beim Konsum noch etwas zügeln kann.
Und da ist noch die Sache mit der Zurückhaltung. In der Vergangenheit stand der Avensis in höchstem Maße für Zuverlässigkeit, aber auch etwas für Langeweile. Mit dem vorjährigen Facelift hat sich das Bild allerdings gewandelt. Ein hochauflösender Touchscreen ist dem zuvor eingesetzten Display nicht nur von der Größe her überlegen, sondern auch von der dargestellten Farbenpracht. Via Fingerdruck lassen sich Entertainmentsystem und Navigation relativ einfach bedienen, auch wenn die Menüstruktur anfangs mit einer bestimmten Lernzeit verbunden ist.
Im Großen und Ganzen blieb Toyota zwar dem analogen Instrumentarium treu, ein farbiges Display allerdings fungiert als informativer Bordcomputer und bringt somit Buntes ins Spiel. Ein Panoramaglasdach hellt den Innenraum auf, der ohnehin das Triste der Vergangenheit vergessen lässt. Die zur Verfügung gestellte Lounge-Ausstattung verwöhnt mit Ledersitzen (die eine etwas tiefere Sitzposition vermissen lässt), außerdem bringt Toyota mit dem Safety-Sense-System zahlreiche Fahrerassistenzsysteme zum Einsatz: Pre-Collision-System, automatisches Fernlichtsystem, Verkehrszeichen-Assistent, Spurwechselwarner. Eine weitere Erleichterung bringen die Rückfahrkamera und die elektrische Verstellung der beheizbaren Vordersitze mit sich. Damit bringt sich der Avensis als solider, unaufgeregter, seriöser Familientransporter in Stellung. Müsste er in den USA einen Wahlkampfauftritt absolvieren, müsste er von seinem Naturell her eher Hillary Clinton zu Diensten sein, und nicht ihrem Konkurrenten Donald Trump.
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