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Audi A4 Avant: Change Management im Verborgenen

Der Audi A4 Avant besticht durch Veränderungen, die allerdings erst bei genauerer Betrachtung ihre Würdigung erfahren: Vor allem innen kommen die Innovationen zum Tragen.

Von Markus Höscheler

St. Ulrich am Pillersee –Dass Audi einmal Schelte einstecken musste? Das war jahrelang undenkbar, den Ingolstädtern gelang ein Coup nach dem anderen, die Außendarstellung überzeugte die Konsumenten, die Material- und Fertigungsqualität im Innenraum ängstigte die Konkurrenten. Doch spätestens seit vergangenem Jahr weht den Erfolgsverwöhnten der Vier-Ringe-Marke ein etwas raueres Lüftchen entgegen. Zum einen gelang es Mercedes, den Dauerrivalen vom zweiten Platz beim globalen Absatz im Premium-Revier zu stoßen. Zum anderen war die Reaktion auf die aktuelle A4-Generation eine äußerst verhaltene. Der Neue, da waren und sind sich die meisten einig, sieht annähernd so aus wie der Alte. Diesen Stempel erhielten sowohl die Limousine als auch das Kombi-Derivat Avant.

Die Technik

Motor: Vierzylinder-Turbodiesel

Hubraum: 1968 ccm

Drehmoment: 400 Nm bei 1750 U/min

Leistung: 140 kW/190 PS

L/B/H: 4725/1842/1434 mm

Gewicht: 1605/2145 kg

Kofferraumvolumen: 505 – 1510 l

Tankinhalt: 58 l

Höchstgeschwindigkeit: 231 km/h

0 – 100 km/h: 7,9 Sekunden

Verbrauch: 4,9 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Vorderradantrieb

Preis: 65.026,01 Euro

CO2-Emission: 116 g/km

Die Revolution ist also an Audis Mittelklasse zumindest von außen betrachtet vorübergegangen. Die Revolte überließ Audi den Gestaltern des Innenraums und den Technikern, die für Komfort- und Fahrerassistenzsysteme zuständig sind. An der hohen Fertigungsqualität haben die Bajuwaren zwar nicht gerüttelt, aber beispielsweise an der Ausrichtung des Instrumentariums. Gegen Aufgeld (im Falle des Testwagens: 633,75 Euro brutto extra) gibt das Audi Virtual Cockpit in hoher Auflösung das wieder, was der Fahrer wissen sollte: Drehzahl, Tempo, Verbrauch und Navigation, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Art der Darstellung und der Inhalt lassen sich variieren, bei Bedarf kann der Lenker eine weitestgehend klassische Anzeige wählen.

Dem Ambiente dienlich sind im Weiteren einige S-Line-Optionen, etwa die Alcantara-Frequenz/Leder-Bezüge für die beheizbaren Sitze, außerdem dürfen sich die Fondgäste über die Annehmlichkeiten der Dreizonen-Klimaautomatik freuen. Dem Fahrer kommt das Zusammenspiel der Siebenstufen-Doppelkupplung (S-tronic) mit dem Zweiliter-Turbodiesel zugute, der mit 190 PS und 400 Newtonmetern maximalem Drehmoment sportliche Fahrleistungen hervorzaubert. Die Lenkung ist präzise, das Fahrwerk ausgewogen und das Zusatz-Equipment (MMI-Navigation plus, 3396,25 Euro) überzeugend. Auch die LED-Scheinwerfer (1508,75 Euro) haben ihre erleuchtende Berechtigung, tragen aber dazu bei, den Anschaffungspreis auf 65.026,01 Euro zu erhöhen. Schelte für die Preisgestaltung? Aber nein, die technischen Innovationen haben ihren Wert.