Mercedes TC 350 e tanzt gleich auf zwei Hochzeiten
Der Mercedes TC 350 e feiert das Entweder-oder-Prinzip: Der Kombi kann als Plug-in-Hybrid besonders effizient unterwegs sein – oder er misst sich dank 279 PS und 600 Nm Drehmoment mit Sportwagen.
Von Markus Höscheler
Gerlosberg –Allzu lange ist es noch nicht her, als das Hybridfahren gedanklich in Verbindung stand mit Ökoschlapfen und Spaßverzicht. Dafür war Mercedes allerdings schon in der Vergangenheit nicht zu haben, erst recht gilt dies für die Gegenwart: Bei der Konzentration auf Emissions-Reduktion gilt in Stuttgart die Maxime, nur ja nicht auf Komfort und schon gar nicht auf Leistung zu pfeifen. Seit dem Vorjahr haben die Schwaben ganz konsequent den C 350 Plug-in-Hybriden im Programm, also ein Modell, das nicht nur zwei verschiedene Triebwerke miteinander kombiniert, sondern auch noch eine zusätzliche Ladequelle anzapft.
Die Technik
Motor: Turbobenziner, Elektromotor
Hubraum: 1991 ccm
Drehmoment: 600 Nm bei 1200 U/min
Systemleistung: 205 kW/279 PS
L/B/H: 4702/1810/1457 mm
Gewicht: 1765/2340 kg
Kofferraumvolumen: 350 – 1370 l
Tankinhalt: 50 l
Höchstgeschwindigkeit: 246 km/h
0 – 100 km/h: 6,2 Sekunden
Verbrauch: 6,8 l/100 Kilometer
Kraftübertragung: Hinterradantrieb
Preis: ab 53.890 Euro
CO2-Emission: 49 g/km
Die von Mercedes vorgeschlagene Lösung, so viel lässt sich hier vorwegnehmen, fällt praxistauglich aus: Im TC 350 e – also in der Langheckversion – arbeiten ein 211 PS starker Zweiliter-Vierzylinder-Turbobenziner und ein 82 PS starker Elektromotor auf verschiedene Art und Weise zusammen. Ihr tatsächliche Leistungszufuhr ist abhängig von der Gaspedalstellung, der Fahrmodus-Auswahl, der gefahrenen Geschwindigkeit und dem Ladezustand des 6,2 Kilowattstunden Kapazität bietenden Lithium-Ionen-Speichers. Im Idealfall bietet der Verbund 279 PS Systemleistung und ab 1200 Umdrehungen/Minute ein Systemdrehmoment von 600 Newtonmetern. Eine Siebenstufenautomatik leitet das Kraftdargebot an die Hinterachse weiter, was eine störungsfreie Lenkung einerseits und eine sportwagengerechte Beschleunigung andererseits zur Folge hat. Von null auf 100 km/h sprintet der TC 350 e in 6,2 Sekunden, erst bei 246 km/h hat die Beschleunigung ein Ende. Damit kauft der Mittelklasse-Kombi nicht nur der konventionellen GTI-Gemeinde den Schneid ab, sondern bringt auch höherklassige Sportwagen-Piloten ins Schwitzen.
Dabei ist das Schweißtreiben nicht das Hauptanliegen des TC 350 e – er kann auch anders: Rein elektrisches Fahren beherrscht das Langheck ebenso wie das moderate Fortbewegen bei Verwenden beider Motoren. Wer sich hier disziplinierter verhält, obendrein immer wieder die Lademöglichkeit via Haushaltssteckdose ins Bewusstsein ruft, befindet sich in der Position, unseren erzielten Testverbrauch von 6,8 Litern je 100 Kilometer weit zu unterbieten und sich dem Normverbrauch von 2,1 Litern je 100 Kilometer zu nähern.
Beachtenswert ist die harmonische Gestaltung des Antriebssystems. Die Übergänge sind gelungen, das Hinzuschalten des Benzinmotors vernehmen die Fahrgäste zwar, aber unangenehm fällt diese Wahrnehmung keineswegs aus. Und die 7G-tronic tut ihr Bestes – wobei bei starken Steigungen eine manuelle Übersteuerung via Schaltwippen anzuraten ist.
Wo sich der TC-350-e-Pilot etwas bescheiden muss: beim Laderaum. Der fällt gegenüber konventionell angetriebenen C-Klassen mit 350 bis 1370 Liter etwas kleiner aus, bedingt durch die zusätzlichen technischen Einrichtungen, insbesondere des Akkus. Auch das Gewicht ist deutlich höher, die 1,8 Tonnen sind in Sichtweite. Ein Teil davon lässt sich aber auch auf die höherwertige Ausstattung zurückführen – interessanterweise ist der Plug-in-Hybrid schon ab Werk mit einer Luftfederung Airmatic versehen. Entsprechend komfortabel fühlt sich das Fahrwerk an, Asphalt-Holprigkeiten bügelt der technisch hochgezüchtete Kombi weitestgehend gekonnt aus. Nicht ganz so stimmig ist die Ab-Werk-Bestückung mit H7-Halogenscheinwerfern: Aber hier kann der Kunde gegen Aufpreis zwischen zwei LED-Varianten wählen – was sich erhöhend gegenüber dem Basispreis von 53.890 Euro auswirkt. Das Tanzen auf zwei Hochzeiten will eben gut ausgeleuchtet sein.
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