Frankreich streitet um die Finanzierung muslimischer Gotteshäuser
Paris (APA/AFP) - Laid Ziara steht in einem geräumigen Betonbau mit Spitzfenstern und zeigt auf die Glaskuppel über seinem Kopf. All dies, s...
Paris (APA/AFP) - Laid Ziara steht in einem geräumigen Betonbau mit Spitzfenstern und zeigt auf die Glaskuppel über seinem Kopf. All dies, so bedeutet der Imam, haben die Gläubigen mit ihrem Geld ermöglicht. Aus dem Rohbau in Grigny rund 30 Kilometer südlich von Paris soll einmal eine Moschee werden. Über die Finanzierung muslimischer Gotteshäuser ist in Frankreich, ebenso wie in Deutschland, ein Streit entbrannt.
Die Regierung droht damit, ausländische Finanzquellen zu kappen. Vor dem Hintergrund der jüngsten Anschläge wird befürchtet, dass Moscheen zu Orten der Radikalisierung geworden sind.
In der Pariser Vorstadt Grigny, in die zunehmend Muslime ziehen, wird der Moschee-Bau vollständig von den Bürgern finanziert, wie der Imam nicht ohne Stolz sagt. Immerhin belaufen sich die Kosten auf 4,5 Millionen Euro. Gut die Hälfte des Geldes ist beisammen, davon wurden das Hauptgebäude und zwei Gebetssäle errichtet. Zwei Millionen Euro für Elektro- und Wasserleitungen sowie die Ausstattung fehlen aber noch.
Wenn es nach dem Willen der französischen Regierung geht, soll eine solche Eigenfinanzierung für Moscheen künftig unumgänglich sein. Premierminister Manuel Valls hat damit gedroht, ausländische Finanzquellen für muslimische Gotteshäuser und Vereine trocken zu legen.
Grund sind die jüngsten Anschläge in Nizza und im nordfranzösischen Saint-Etienne-du-Rouvray, wo einem Priester von Jihadisten die Kehle durchgeschnitten wurde. Der unausgesprochene Verdacht: Radikale Muslime aus dem Ausland finanzieren Moscheen und Hassprediger in Frankreich, die zu Anschlägen anstiften.
Auch in Deutschland ist die Finanzierung von Moscheen umstritten. Kurz vor der Jahreswende sorgten Berichte für Aufregung, das für seine strikte Auslegung des Islam bekannte Saudi-Arabien wolle bis zu 200 Moscheen in Deutschland bauen. Das Königreich ließ dies dementieren. In der Kritik steht aber vor allem der türkisch-islamische Verband Ditib, der etwa hinter dem Moscheebau in Köln steht. Ditib gilt vielen Experten als verlängerter Arm der Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan.
Ditib ist seit den 1980er-Jahren auch in Frankreich aktiv und nimmt dort Einfluss in Dutzenden Gebetshäusern. Das weitaus meiste Geld aber kommt aus Marokko und Algerien - den früheren französischen Kolonien, aus denen der Großteil der Muslime im Land stammt. Nach einem Bericht der Senatorin Nathalie Goulet fließen aus Marokko sechs Millionen Euro jährlich für die Moscheen und die Imame und zwei Millionen aus Algerien, vor allem für die Große Pariser Moschee. „Ohne diese Mittel verbannen wir den Islam wieder in Kellerräume“, warnt Goulet.
Deswegen bezweifelt die Politikerin von der zentristischen Partei UDI auch, dass ein Stopp ausländischer Gelder ein Mittel gegen die Radikalisierung ist. „Zwischen 70 und 80 Prozent der Moscheen in Frankreich werden von den Gläubigen selbst finanziert“, betont sie.
So wie in dem Pariser Vorort Grigny. Dort hat Imam Laid Ziara nach dem Mord an einem katholischen Priester in Nordfrankreich an einer interreligiösen Gedenkmesse teilgenommen, um die Solidarität der Muslime zu verdeutlichen. „Ich glaube nicht, dass Geld aus dem Ausland zur Radikalisierung in den Moscheen beiträgt“, sagt er. „Radikal wird man im Internet oder im Gefängnis.“
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