Olympia: Die Karriere von Sprintstar Usain Bolt im Zeitraffer

Rio de Janeiro/Rio/Maracana (APA) - Die Karriere des jamaikanischen Leichtathletik-Sprinters Usain Bolt chronologisch nach Großereignissen v...

Rio de Janeiro/Rio/Maracana (APA) - Die Karriere des jamaikanischen Leichtathletik-Sprinters Usain Bolt chronologisch nach Großereignissen von 2002 bis 2016:

2002 Junioren-WM Kingston: Usain Bolt gewinnt als 15-Jähriger die 200 m in 20,61 Sekunden, er kürt sich zum jüngsten Junioren-Weltmeister überhaupt.

2003 Jugend-WM Sherbrooke: Usain Bolt gewinnt die 200 m in 20,40.

2004 Olympia Athen: Usain Bolt bringt als Empfehlung zwei Nachwuchs-Goldmedaillen, den Juniorenweltrekord (19,93) und die zweitschnellste Zeit des Jahres mit und wird als Medaillenanwärter gehandelt („200-m-Olympiasieger wäre schon schön in meinem Alter“), er schafft es aber nicht über den Vorlauf über 200 m hinaus. Er ist leicht gehandicapt, ein Achillessehnen-Problem strahlt bis zum Oberschenkel aus.

2005 WM Helsinki: Usain Bolt erreicht sein erstes Finale bei einer Internationalen Meisterschaft in der allgemeinen Klasse, der Jamaikaner ist erst 18 Jahre. Er landet bei nasskaltem Wetter in Helsinki im 200-m-Finale beim Sieg des US-Amerikaners Justin Gatlin aber nur an der achten Stelle, er stellt schon vor dem Ziel ab und greift sich an den Oberschenkel.

2006 Commonwealth Games Melbourne: keine Teilnahme wegen Oberschenkelverletzung.

2007 WM Osaka (2 Silber): 2007 schafft er den Durchbruch, nach Japan reist er mit dem neuen jamaikanischen 200-m-Rekord von 19,75 in den Beinen. Hinter dem US-Amerikaner Tyson Gay gewinnt Usain Bolt die Silbermedaille und sagt über den Sieger: „Im Moment ist er unschlagbar.“ Mit der jamaikanischen 4 x 100 m Staffel legt er eine weitere Silbermedaille nach.

2008 Olympia Peking (3 Gold): Für 2008 nimmt Bolt die 100 m mit ins Programm auf, er verbessert in New York den Weltrekord auf 9,72, reist als Topfavorit zu den Sommerspielen und gewinnt die Goldmedaillen über 100 m in der Weltrekord-Zeit von 9,69, schon weit vor der Ziellinie breitet er die Arme aus und klopft sich auf die Brust. Über 200 m fixiert er mit dem Weltrekord von 19,30 das Double. Es ist der erste olympische Doppelsieg über 100 und 200 m seit Superstar Carl Lewis (USA) 1984 in Los Angeles. Es ist die Geburtsstunde des Blitzes. „Mein Name ist Lightning Bolt.“ Mit der Kurzsprint-Staffel gewinnt Bolt das dritte Gold mit dem dritten Weltrekord (37,10) und erreicht sein erstes Triple. Allerdings droht möglicherweise die Aberkennung der Staffelmedaille, da bei den heuer durchgeführten Doping-Nachtests Nesta Carter positiv getestet wurde. Der Fall ist offen.

2009 WM Berlin (3 Gold): Mit dem Vorhaben, „der Welt zu zeigen, dass das letztes Jahr kein Witz war“, reist Bolt nach Berlin. Er ist in der Form seines Lebens, gewinnt erneut das Triple. Über 100 m in 9,58 und 200 m in 19,19 markiert er die immer noch geltenden Fabelweltrekorde. „Mein Hauptziel ist es, eine Legende zu werden. Daran arbeite ich“, teilt er mit. Mit der 4 x 100-m-Staffel siegt er in 37,31. Zur Tatsache, dass eine Handvoll jamaikanische Sprinter in eine Dopingaffäre verstrickt sind, meint er: „Ich weiß, dass es Doping immer geben wird. Ich muss dem einfach entgegentreten, indem ich sauber bin und schnell laufe.“

2010: Im Jahr ohne Großereignis will es Bolt gemächlicher angehen, läuft ein paar Rennen, denkt über einen Wechsel zum Weitsprung nach Olympia 2012 nach und plagt sich mit einer Fußverletzung und Achillessehnenproblemen. Am 6. August 2010 erleidet er in Stockholm die erste 100-m-Niederlage seit zwei Jahren, der große Rivale Tyson Gay gewinnt. Ein paar Tage später beendet Bolt die Saison wegen Verspannungen im unteren Rücken-Bereich vorzeitig.

2011 WM Daegu (2 Gold): Die WM beginnt mit einem Paukenschlag. Bolt wird nach einem Fehlstart im 100-m-Finale disqualifiziert. „Sucht ihr nach Tränen? Das wird nicht passieren“, sagt er trotzig. Über 200 m schlägt er mit der erfolgreichen Titelverteidigung zurück. „Ich bin glücklich, ich bin der Beste! Ich bin nicht mit Zorn gelaufen, ich bin so gelaufen, weil ich mich bei den Fans für die 100 Meter entschuldigen wollte“, erklärt er. Mit der jamaikanischen Staffel und dem Sieg in der Weltrekordzeit von 37,04 setzt er den Schlusspunkt.

2012 Olympia London (3 Gold): „Es hat vor mir viele Legenden gegeben, aber jetzt ist meine Zeit gekommen“, posaunt Bolt vor den Sommerspielen. Den ersten großen Auftritt hat er als Fahnenträger („Dann komme ich mal ins Fernsehen“), danach kratzt er über 100 m in 9,63 am Weltrekord. „Einige haben an mir gezweifelt. Ich musste der Welt zeigen, dass ich der Größte bin.“ Mit dem Sieg über 200 m schafft er als erster Athlet der Olympia-Geschichte das Double-Double. „Ich bin eine lebende Legende. Sagt es allen in eurem Land“, erteilt er den Journalisten einen Auftrag. Zum Drüberstreuen gibt es einen neuen Staffel-Weltrekord (36,84).

2013 WM Moskau (3 Gold): Wenige Wochen vor der WM wird die Sprintszene von positiven Dopingtests des US-Amerikaners Tyson Gay (einjährige Sperre) und des Jamaikaners Asafa Powell (sechs Monate) erschüttert. Der damalige IAAF-Präsident Lamine Diack sagt: „Usain Bolt ist sauber - und die meisten Sprinter, die unter zehn Sekunden laufen, sind es ebenfalls.“ In Moskau holt sich Bolt den WM-Titel über 100 m in 9,77 zurück, die 200 m gewinnt er in 19,66, die Kurzsprint-Staffel mit Jamaika in 37,36. Bolt wird zum erfolgreichsten Leichtathleten der WM-Geschichte.

2014 Commonwealth Games Glasgow (1 Gold): Bolt schlägt sich mit einer hartnäckigen Fußverletzung rum, lässt sich operieren und verschiebt seinen Saisonstart immer wieder. Bei den Commonwealth Games - die ersten in seiner Karriere - tritt er mit der Sprintstaffel an und holt die Goldmedaille.

2015 Staffel-WM Nassau/Bahamas (1 Silber): Usain Bolt bezieht mit der jamaikanischen Staffel eine empfindliche Niederlage gegen die USA. Mike Rodgers, Justin Gatlin, Tyson Gay und Ryan Bailey gewinnen in 37,38 Sekunden vor Jamaika (37,68). Bolt ist noch weit von seiner Bestform entfernt.

2015 WM Peking (3 Gold): Bolt zeigt sich vor Peking selten, ein blockiertes Iliosakralgelenk (Kreuz-Darmbein-Gelenk) belastet Knie und Knöchel. Er bleibt in China aber auf den Thron, Herausforderer Justin Gatlin (USA) hat das Nachsehen. Der Jamaikaner gewinnt um vierten Mal in Folge die 200 m. Er verwirklicht nach 2009 in Berlin und 2013 in Moskau sein drittes WM-Triple und hält nun bei elf Goldmedaillen. Es ist das insgesamt fünfte Mal, dass er von einem Großereignissen mit drei Goldenen abreist. Mit nun acht Gold- und zwei Silbermedaillen bei Weltmeisterschaften wird er zum erfolgreichsten Leichtathleten der Geschichte vor dem US-Amerikaner Carl Lewis.

2016 Olympia Rio de Janeiro: Bolt nimmt an der Jamaika-Ausscheidung für Olympia nicht teil, weil ihn eine Muskelverletzung im Oberschenkel plagt. Er wird aber für die Sommerspiele in Rio de Janeiro nominiert. Am Samstag legt er im Vorlauf mit der souveränen Qualifikation für das Halbfinale über 100 m den Grundstein für sein drittes Gold-Triple im Zeichen der Fünf Ringe.