Olympia

Magere Zwischenbilanz: ÖOC tritt Flucht in die Zukunft an

Viel Grund zum Jubeln hatte ÖOC-Boss Karl Stoss (l.) bislang nicht.
© Gepa

Die erste Wettkampfwoche in Rio de Janeiro hat Österreich hinter sich gebracht. Und die Medaillenflaute schlägt auf die Stimmung.

Aus Rio: Florian Madl

Rio de Janeiro – „Das Finale war immer schon mein Traum“, meinte die Kärntnerin Magdalena Lobnig nach ihrem Ruder-Endlauf (Platz 6). Nicht viel anders Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger, der Oberösterreicher: „Wenn ich vorher gewusst hätte, dass ich Sechster werde, hätte ich jede Weite unterschrieben.“ Beachtliche Top-Zehn-Platzierungen, mit denen die beiden Österreicher aufwarten konnten – mittlerweile registriert man davon 13 in Rio de Janeiro. Allein – eine Medaille war nicht dabei. Und realistisch betrachtet reduzieren sich die Chancen der zweiten Wettkampfwoche auf die Segelbewerbe. Plötzlich sind sie wieder da, die Geister der medaillenlosen Sommerspiele 2012 in London, die Kritiker und quälenden Fragen.

Allein die Wortwahl einiger Olympia-Sportler ließ zuletzt darauf schließen, dass das Dabeisein tatsächlich alles sei. „Stimmung aufsaugen“, „Olympisches Dorf genießen“, „Spirit fühlen“ – das mag für Medaillenkandidaten der Zukunft ein Motto sein, nicht für arrivierte Sportler, die schon lange in den Genuss des Fördersystems kommen. Eine Selektion, die im ÖOC der Zukunft möglicherweise bald stattfindet. „Wir müssen uns überlegen, ob wir die Konzentration nicht auf weniger Sportarten richten“, meinte ÖOC-Boss Karl Stoss.

Der Vorarlberger sparte sich in der Pressekonferenz eine Vorab-Analyse. Aber er sparte nicht mit Kritik: „Nicht alle Verbände arbeiten so professionell, wie sie könnten.“ Ausnahmen seien die Segler, aber bekommen weiterhin alle Sommersportverbände die gleiche Förderung? Stoss blieb kryptisch: Man müsse schauen, wo die Förderung nicht auf fruchtbaren Boden gefallen sei. Hoffentlich bleibt die Umsetzung dieses Wunsches weniger zaghaft als die Ankündigung.

Nach den London-Spielen verwies man auf Rio, nun tritt Stoss erneut die Flucht in die Zukunft an: Tokio 2020 lautet das neue Ziel, dahingehend will man alle Energie bündeln. Mit Analysen, anonymen Umfragen unter den Trainern, dem Blick über die Grenzen, wo Ungarn mit elf Medaillen ein Vorbild sein könnte. Oder Neuseeland, das seinen 4,5 Millionen Einwohnern mit derzeit acht Medaillen eine Freude bereitet. Oder Kroatien und die Schweiz mit vergleichbarem Potenzial wie Österreich, aber bislang je drei Medaillen.

Als die Pressekonferenz am Samstag ihren Lauf nahm, legte Stoss irgendwann auch seinen diplomatischen Ton ab. Sätze wie „In Österreich steht der Föderalismus weit oben“ oder „Wir müssen einmal alles auf null stellen“ stellen den Ansatz einer tiefgreifenden Problemanalyse dar. Ganz zart kam auch Kritik an Besetzungen in sportnahen Gremien auf: „In Österreich sucht man für jemanden einen Posten, dann wird das einzementiert.“ So gut sich Österreich nämlich in touristischer Hinsicht präsentiert – bis gestern registrierte man im Österreich-Haus 33.000 Besucher (und dazu 3500 Geladene) –, in sportlicher Hinsicht besteht Aufholbedarf. Bis Tokio 2020 darf man damit nicht warten.