Großhotel in Innsbruck trifft auf Hotelier-Widerstand
Im neuen Pema-Hochhaus beim Hauptbahnhof soll ein 300-Zimmer-Hotel Unterschlupf finden. Alteingesessene Hoteliersfamilien und der TVB laufen dagegen Sturm.
Von Manfred Mitterwachauer
Innsbruck – Einen unterschriebenen Vertrag mit Motel One will die Pema laut eigenen Angaben bereits in der Tasche haben. Die Hotelkette mit dem Slogan „Viel Design für wenig Geld“ soll demnach fix in den von Pema-Chef Markus Schafferer in der Südbahnstraße geplanten „P3“-Turm einziehen. Dort, wo heute noch ein Wohnhaus die Einfahrt zum Innsbrucker Hauptbahnhof prägt, will Schafferer – wie berichtet – sein drittes Hochhausprojekt nach „Headline“ (Brunecker Straße) und „P2“ (Amraser Straße; derzeit in Bau) in die Höhe ziehen.
Doch gegen den neuen Konkurrenten quasi mitten im eigenen Wohnzimmer hat sich nun eine Koalition aus alteingesessenen Hoteliers und Tourismusverband zusammengefunden. Der Chef des Leipziger Hofes, Andreas Perger, ist einer dieser Hoteliers. In Summe sei man eine Gruppe von rund 25 „maßgeblichen“ Hotels, die das gleiche Ziel eine, sagt Perger: eine Redimensionierung der bisher bekannt gewordenen Hotelpläne.
250 bis 300 Hotelzimmer, so führt die Pema selbst aus, seien am neuen Standort geplant. Für Perger und Co. undenkbar: „Diese Größe passt nicht zu Innsbruck.“ Im Schnitt, so Perger, liege die Zimmeranzahl in der Stadt pro Betrieb bei 50 bis 120, und derartige Familienbetriebe hätten „Innsbruck zu dem gemacht, was Innsbruck heute ist“. Komme solch ein Großhotel, befürchtet die Branche einen Preisverfall und letztlich eine akute Gefahr für die angestammte Hotellandschaft. Das Beispiel Salzburg habe diese Entwicklung klar aufgezeigt, merkt Perger an, hält aber fest, dass die Gruppe nichts gegen die Hotelkette an sich habe: „Motel One ist herzlich willkommen.“
Letzterem pflichtet auch TVB-Obmann Karl Gostner bei. Motel One würde das Angebot in Innsbruck sicherlich abrunden. Die in Diskussion stehende Dimension würde aber Kleinbetriebe in Gefahr bringen, sagt Gostner, der diese Haltung mit dem TVB-Vorstand akkordiert hat. Immerhin würden auf einen Schlag 600 neue Betten entstehen: „Das ist ein Preiskiller.“ Zusätzliche Hotelprojekte stünden zudem schon in der Pipeline (Rubatscher/Penz in der Maria-Theresien-Straße; Hilton-Nachfolgeprojekt in der Herrengasse). Gerade der TVB müsse laut Gostner „auf die Verbandsmitglieder schauen und für ein touristisch sinnvolles Umfeld sorgen“. Natürlich sei dem TVB ein Nächtigungszuwachs wichtig, „nächtigungsgeil“ sei man deshalb aber noch lange nicht.
Richten soll es für die Hoteliers nun die Stadtpolitik. BM Christine Oppitz-Plörer (FI) bestätigte gegenüber der TT, dass ihr kürzlich eine dementsprechende Bitte der Hoteliers übergeben worden sei. In einer Art Petition werde die Reduktion der Motel-One-Pläne auf 120 Zimmer gefordert.
Mit von der Partie bei diesem Treffen war unter anderen auch Hotelier August Penz (The Penz). Auch wenn Penz behauptet, das Motel One sei nur „ein Randthema“ gewesen, so betont er zeitgleich, dass die hiesige Branche schon „bei der Gestaltung mitreden wolle“. Immerhin seien die Innsbrucker Hoteliers „eine bedeutende Gruppe“.
Eine Argumentation, über die Stadtplanungs-Stadtrat Gerhard Fritz (Grüne) bestenfalls schmunzeln kann: „Ob der Markt das verträgt, ist im Zuge eines Flächenwidmungsplanverfahrens zu prüfen.“ Und an die Adresse der Hoteliers gerichtet: „Die Raumordnung darf nicht als Mittel zum Konkurrenzschutz missbraucht werden.“ Die Stadt werde eher die Dimension des Pema-Projektes aus stadtplanerischer Sicht zu hinterfragen haben. Derzeit liege nur eine Baumassenstudie vor, die Stadt habe bereits eine externe Studie bei einem Linzer Büro in Auftrag gegeben. Im September, so der Fahrplan, solle das Projekt noch einmal im Gestaltungsbeirat diskutiert, und im Oktober sollten vom Bauausschuss die Rahmenbedingungen für einen Architekturwettbewerb beschlossen werden, so Fritz.
Schafferer selbst verweist auf eine in Auftrag gegebene Hotel-Bedarfsanalyse. Tourismusberater Klaus Ennemoser kommt darin zum Schluss, dass der Bedarf an neuen Hotelbetten durchaus gegeben sei. Und auf TT-Nachfrage bestätigt er auch, dass er die angesuchte Dimension durchaus für marktverträglich hält. Den Salzburg-Vergleich lässt er nicht gelten: „Die Sachlage ist eine andere.“
„Unser Projekt ist ein idealer Hotelstandort“, wirbt Schafferer. Und es sei letztlich ausschließlich die Entscheidung von Motel One, wie viele Zimmer sie für wirtschaftlich machbar halten. Den Hoteliers richtet der Pema-Chef aus, dass erst „Wettbewerb Qualität fördert“. Noch befinde sich das Projekt in der Diskussionsphase: „Es ist daher schwer nachvollziehbar, dass jetzt schon von einigen versucht wird, Motel One zu verhindern.“ Die zuständige Motel-One-Regionalmanagerin war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.