Schultz im Spieljoch-Fieber
Derzeit dreht sich bei Heinz Schultz alles um die Fügener Bergbahn. Er will den Erwartungen gerecht werden und gibt Vollgas: Neues Skibusnetz, 190.000-m³-Speicherteich, moderne Technik und exklusive Gastronomie.
Von Eva-Maria Fankhauser
Uderns, Fügen –Der große Tisch in Heinz Schultz’ Büro in Uderns ist bedeckt mit Unterlagen rund um die Spieljochbahn – mit Plänen für Liftanlagen, Genehmigungen, Ansuchen, Kartenmaterial bis hin zu Planungen für Sommerprogramm und Parkplatzbau.
Auch wenn die großen Bauarbeiten erst im März 2017 starten – die TT berichtete –, ändert sich für die heimischen Wintersportler und Gäste doch schon so manches bis zur kommenden Saison. Die Schranken an den Parkplätzen wurden bereits abmontiert. Zudem wird heuer eine Beschneiung mit Kühltürmen im Anfängerbereich unterhalb der Talstation eingesetzt, und Kinder bis zehn Jahre können dort gratis das Skifahren üben. Weiters wurden zwei neue Pistengeräte gekauft und rund eine Million Euro in die vorhandene Beschneiung investiert. „Damit wird die Wasserleistung erhöht und ein durchgehender Betrieb von 23. Dezember bis 19. März gesichert“, betont Schultz. Mehr sei ohne neuen Speicherteich aber nicht möglich. „Ein kostenloser Shuttle wird stündlich von Fügen nach Kaltenbach fahren“, erklärt Schultz im TT-Gespräch. Zudem sind die Skibusse auch mit jenen der Hochfügener vernetzt. Dadurch hofft er, die Verkehrslage im Zillertal etwas zu beruhigen. Das werde aber vor allem mit dem Zusammenschluss der beiden Skigebiete funktionieren. „Wenn ich 700 Autos am Tag von der Straße wegbringe, weil die Gäste das Auto stehen lassen und die Verbindungsgondel nutzen, dann entsteht dadurch eine massive Entlastung“, ist sich Schultz sicher. Immerhin würden rund 70 Prozent der Urlaubsgäste aus Fügen nach Kaltenbach zum Skifahren pendeln.
Eine Verkehrsentlastung durch einen Zusammenschluss in Richtung Inntal sieht Schultz derzeit eher skeptisch. Er ist dafür bekannt, sich step by step an einen Zusammenschluss (wie etwa in Richtung Penken) heranzuwagen, doch in Richtung Kellerjoch oder Weerberg gebe es bisher keine Überlegungen. „Ich kann es nicht ausschließen, will aber auch keinen zu hohen Naturverbrauch verursachen. Das muss man sich erst in Ruhe anschauen“, betont Schultz. Außerdem fördere man mit einer Verbindung ins Inntal eher den Tagestourismus, da die Gästebetten im Zillertal gefüllt werden.
Für den Zusammenschluss von Spieljoch und Kaltenbach ist eine Peak-to-Peak-Gondel geplant mit den beiden Bergstationen zwischen dem Onkeljochlift und der Geolsbahn sowie gegenüberliegend auf der Wetterkreuzspitze. „Das wird eine absolute Besonderheit. Die 3S-Gondelbahn wird wie jene in Kitzbühel, verläuft aber anstatt auf 300 Metern über der Talsohle in 800 Metern Höhe“, berichtet Schultz. In etwa elf Minuten gelangen die Wintersportler so per 20-Personen-Gondel vom Spieljoch nach Kaltenbach. „Es braucht am Anfang und am Ende eine Stütze und mehr nicht. Es muss nicht ein Baum gefällt werden“, erklärt der Unternehmer stolz. Auf Kaltenbacher Seite wird für den Zusammenschluss der derzeitige Verbindungssessellift nach Hochfügen, auch bekannt als „Kalter 4er“, durch eine Gondelbahn ersetzt und in Richtung „Gruabach“ nach unten verlängert. Von dort soll dann ein Sessellift aufs Wetterkreuz fahren.
Aber bevor die Wintersportler von Gipfel zu Gipfel gegondelt werden – die Planung dafür dauere mindestens noch ein Jahr – erfolgt vorerst 2017 der Bau der neuen Zubringergondel in Fügen. Die Talstation wird um ein Stockwerk höher und somit ebenerdig zugänglich. Die Talabfahrt soll bis zum Sportgeschäft Unterlercher verlaufen, von dort können die Wintersportler zu Fuß durch eine Unterführung zur Bahn gehen. Die vier Parkebenen werden zu zwei großen Flächen und die Herzal’m bleibt diesen Winter noch bestehen. Danach läuft der Pachtvertrag aus und Schultz plant, eine Lounge wie in Kaltenbach auch in Fügen direkt in die Talstation zu integrieren. Er pocht auf mehr Qualität und Familientauglichkeit.
In der Bergstation entsteht ein Panorama-Restaurant. „Es wird gemunkelt, dass ich das nicht selbst betreiben wolle, das stimmt aber nicht“, widerspricht der Unternehmer den Gerüchten. Das Restaurant im Obergeschoß kann via Rolltreppe erreicht werden oder über die große Rampe südseitig, die nicht nur als Anfahrt per Ski oder Snowboard, sondern auch wie eine Arena zum Sitzen, Verweilen und Beobachten der Sprösslinge gedacht ist. Das Restaurant wird in Bereiche mit und ohne Bedienung aufgeteilt. Auch eine Kinderbetreuung und ein Skidepot finden dort Platz.
Das Kapitel Speicherteich rollt Schultz neu auf. Der beiden genehmigten Bescheide zum Trotz plant er einen 190.000 m³ großen Speicherteich, rund 120 Meter vom derzeitigen Teich entfernt. Mit zwölf Kühltürmen sollen somit alle Pisten beschneit werden können.
Kurz und bündig
Bei sechs Skigebieten, einer Baufirma, dem Golfhotel Uderns und vielem mehr — wie behalten Sie den Überblick?
Heinz Schultz: Das ist mein Job und ich tue meine Arbeit sehr gerne. Und ich habe tolle Mitarbeiter, denen ich Aufgaben mit gutem Gewissen übergeben kann.
Was zeichnet Sie und Ihre Unternehmerfamilie aus?
Schultz: Wir sehen Aufgaben über Generationen hinaus, wollen nachhaltig wirtschaften und fällen teils sehr schnell Entscheidungen.
Ihr Sohn Maximilian und Sie sind Geschäftsführer der Spieljochbahn. Gibt es eine Arbeitsaufteilung?
Schultz: Neben dem Studium arbeitet Maximilian viel in der Firma mit. Er ist u. a. fürs Golfhotel zuständig. Derzeit plant er den Singletrail am Spieljoch und bringt junge Ideen ins Projekt ein.