Hormon-Trend mit Risiken

Mit 100 Prozent körperidenten Hormonen will der deutsche Gynäkologe Volker Rimkus Frauen die Wechseljahre erleichtern. Innsbrucker Experten warnen vor der Methode.

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Von Theresa Mair

Innsbruck — Wenn die Wechseljahre die Hölle sind und man an der herkömmlichen Hormontherapie aufgrund des erhöhten Brustkrebsrisikos zweifelt, muss die Rimkus-Methode wie eine Leiter zurück zu einem unbeschwerten Leben klingen.

Der mittlerweile pensionierte deutsche Gynäkologe Volker Rimkus wirbt auf seiner Internetsite (www.dr.rimkus.ike.de) damit, dass seine Methode auf der Gabe von natur- bzw. körperidentem Östrogen und Progesteron beruhe. Die konventionelle Therapie arbeite hingegen, wie auf der Homepage nachzulesen ist, mit „?Chemikalien mit hormonähnlicher Wirkung', ja sogar mit Produkten aus Pferde-Urin".

Die Rimkus-Methode ist nicht neu, der Erfinder selbst gibt an, seit 30 Jahren erfolgreich damit zu sein. Auf der Homepage macht Rimkus auf den großen Zulauf zu seiner Methode aufmerksam — und verlangt daher für die Beantwortung von Online-Anfragen 20 bis 60 Euro. Auch in Tirol ist die Rimkus-Methode anscheinend „ungeheuer in Mode gekommen", sagt Ludwig Wildt, Direktor der Uni-Klinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin in Innsbruck.

Er und sein Stellvertreter Christoph Brezinka berichten, dass sich seit August jede Woche mindestens zwei Frauen in der Klinik danach erkundigen. Woher die Frauen von der Methode erfahren haben, wissen sie nicht. Nur, „dass jemand gerade dafür Werbung machen muss", wie Wildt sagt. Die beiden Experten halten allerdings nichts von Rimkus' Erfindung. Sie möchten sogar davor warnen — aus den drei folgenden Gründen.

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1. Das Bio-Argument von Rimkus zieht nicht: Genau wie er arbeite nämlich auch die konventionelle Medizin mit bioidentem Hormon, das Progesteron wird z.B. aus der Yamswurzel gewonnen.

Selbstverständlich sei aber der Prozess, um das Hormon so aufzubereiten, dass es zum Schlucken geeignet ist, ein synthetischer. Und das Östrogen? „Auch der Urin von Stuten ist etwas Biologisches", lässt Wildt die Begründung Rimkus' nicht gelten. „Den Frauen wird der Eindruck vermittelt, dass sie etwas Besonderes bekommen. ?Bio' und ?künstlich', ?gut' und ?böse' werden sprachlich gegenübergestellt", vermutet Brezinka eine geschickte Werbestrategie des Entwicklers.

2. Unnütze Hormon-Überwachung: Wie auf der Internetseite nachzulesen ist, betont Rimkus, wie wichtig die ständige Überwachung des Hormonspiegels sei.

Wildt ist anderer Ansicht: „Es ist ausreichend, wenn man einmal das Östrogen und das Progesteron im Blut misst, um festzustellen, dass die Frau in den Wechseljahren ist. Die weitere Überwachung durch Messungen ist eigentlich überflüssig." Prinzipiell seien Hitzewallungen allein schon das „empfindlichste Messinstrument für Östrogene". Die Rimkus-Methode beruht Wildt zufolge auf der Messung der Hormone im Speichel. „Das geht bei vielen Hormonen gut, nur nicht bei Östrogen. Dieses Hormon ist im Speichel nur in sehr geringer Konzentration vorhanden."

Bis hierhin sei die Therapie nur teuer — eine Patientin berichtete, Wildt 300 Euro für eine Monatspackung der Rimkus-Therapeutika bezahlt zu haben —, aber nicht gefährlich.

3. Die eigentliche Warnung betrifft die Darreichungsform des Progesterons über die Haut. „Doch die Haut, die Östrogen gut aufnehmen kann, kann das Progesteron nicht in sinnvollen Mengen aufnehmen", sagt Wildt. Ärzte sollten ihm zufolge wissen, dass man es nicht einschmieren kann.

Das Problem sei, dass Östrogen — „auch das angeblich ,naturidente' der Rimkus-Methode" — das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut anrege. Um diese wieder abstoßen zu können, brauche der Körper Progesteron. Bekomme er das nicht, beginne die Schleimhaut zu wuchern. Dann besteht die Gefahr, Gebärmutterschleimhautkrebs zu entwickeln.

Deshalb müssten Frauen, die ihre Gebärmutter in den Wechseljahren noch haben, zusätzlich zu Östrogen Progesteron schlucken — auch wenn das Brustkrebsrisiko dadurch erhöht werde. „Wer die Rimkus-Methode wählt, muss mit Risiken rechnen. Denn um den einen Krebs zu verhindern, riskiert man damit den anderen", betont Brezinka.


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