Vorschrift ist Vorschrift, auch bei der Kleidung am Arbeitsplatz

„Angemessen“ gewandet sollte man zum Job erscheinen. Weil darunter jeder etwas anderes versteht, kann es zwischen Mitarbeiter und Chef krachen. Letzterer darf Verbote aussprechen.

Symbolbild.
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Von Markus Schramek

Innsbruck — Die Jeans trendig mit Löchern und Rissen, das Hemd über der Hose, das Tattoo unter dem Ärmel hervorlugend: Wie man sich kleidet und gegenüber anderen präsentiert, ist natürlich jedem selbst überlassen. Die Geschmäcker sind erwiesenermaßen verschieden.

Doch wie fast alles im Leben ist diese Freiheit begrenzt. Denn über das äußere Erscheinungsbild seiner Mitarbeiter am Arbeitsplatz kann auch der Arbeitgeber ein Wörtchen mitreden. In unterschiedlichem Ausmaß, je nach Branche und Funktion eines Dienstnehmers.

Thomas Radner, Arbeitsrechtler der Tiroler Arbeiterkammer (AK), erläutert, worauf es in dieser textilen Hinsicht zwischen Chef und Mitarbeiter ankommt.

1. Sind Bekleidungsvorschriften für gewisse Berufe eigentlich gesetzlich geregelt? „Das sind sie nur in Ausnahmefällen", ist vom Rechtsexperten Radner zu erfahren. So ist für bestimmte gefährliche Tätigkeiten das Tragen einer speziellen Schutzausrüstung gesetzlich vorgeschrieben.

2. Wie kann ein Arbeitgeber eine Bekleidungsvorschrift gegenüber Mitarbeitern begründen? „Das Tragen von Bekleidung seiner Wahl ist ein Persönlichkeitsrecht", hält Radner grundsätzlich fest. Dieses Recht darf nur „aus sachlich-betrieblichen" und „objektiven" (also für Dritte nachvollziehbaren) Gründen eingeschränkt werden, wie es juristisch so schön heißt. „Die Kleidung sollte in jedem Fall für die Tätigkeit angemessen sein", sagt Radner. Bei „angemessen" dürften die Meinungen allerdings auseinandergehen.

3. Beispiele für Branchen mit vorgeschriebener Bekleidung? Eine verpflichtende Dienstkleidung gibt es in Unternehmen, die wünschen, dass ihre Mitarbeiter sofort als Bedienstete dieses Unternehmens zu erkennen sind. „Das ist sehr häufig im Handel oder im Hotel- und Gastgewerbe so", weiß Radner. In gewissen Branchen können Männer auch allgemein zu Anzug und Krawatte und Frauen zum Tragen eines Kostüms oder ähnlich formaler Kleidung verpflichtet werden. „In diesen beruflichen Positionen wird von den Kunden ein solches Auftreten vo­rausgesetzt."

4. Wie werden Bekleidungsvorschriften formal geregelt? Eine solche Vorschrift kann Bestandteil des Arbeitsvertrages sein oder sonst auch in einer Betriebsvereinbarung festgelegt werden.

5. Wie geht man als Mitarbeiter bei der Wahl seiner Kleidung auf Nummer sicher? Radner empfiehlt hierbei folgende Faustregel: „Überlegen Sie, ob der Personenkreis, mit dem Sie in Ihrem Beruf regelmäßig zu tun haben, also Kunden, Geschäftspartner oder Arbeitskollegen, es als grob störend empfinden könnten, wie Sie sich ihm gegenüber präsentieren." Ist das der Fall, sollte man seinen Look ändern. Denn ein negatives Erscheinungsbild könnte auf die Firma zurückfallen. Und dann hat man ein Problem.

6. Darf ein Arbeitgeber Verbote aussprechen, wenn ihm die Aufmachung eines Mitarbeiters nicht passt? Das darf der Chef tatsächlich. Tritt ein Mitarbeiter nach außen in einer Weise in Erscheinung, die den betrieblichen Inte­ressen schadet, kann ihm der Chef dies per Weisung oder Verbot untersagen.

7. Kann ein Streit über die Bekleidung am Arbeitsplatz zur Entlassung führen? Auch das ist möglich. „Weigert sich ein Mitarbeiter, eine Kleidungsvorschrift oder eine diesbezügliche gerechtfertigte Weisung des Arbeitgebers zu befolgen, ist das ein Entlassungsgrund", warnt Arbeitsrechtsspezialist Radner.

8. Gibt es Gerichtsurteile über zulässiges Styling am Arbeitsplatz? Radner sind dazu zwei Fälle bekannt. So hielt es der Oberste Gerichtshof (OGH) für gerechtfertigt, einem Bankmitarbeiter (mit Kundenkontakt) das Tragen einer Goldkette über dem Hemd zu verbieten. Einem Straßenbahnfahrer das Tragen eines rosa Haarbands zu untersagen, ging dem OGH dagegen zu weit.


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