Alpenschutzkommission fordert Denkpause bei Skigebiets-Ausbau
Eine scharfe Absage kam von Seilbahn-Boss Franz Hörl. Man brauche man keine „Zurufe“ von CIPRA und ÖAV.
Innsbruck – Die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA tritt vehement gegen neue, großräumige Seilbahnprojekte auf und fordert etwa ein „alpenweites Moratorium beim Ausbau von Skigebieten“. Derzeit herrsche eine „unkontrollierte Wachstumsspirale“ und ein „Überbietungswettbewerb“ vor, kritisierten CIPRA-Vertreter von Deutschland, Österreich und Südtirol am Freitag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck.
Eine solche Strategie des „ungebremsten Wachstums“ beeinträchtige die Umwelt und stehe im Widerspruch zu den großen Herausforderungen wie dem Klimawandel. „Es braucht eine alpenweite Denkpause“, verlangte Katharina Conradin, Präsidentin von CIPRA International.
Raumplanung immer wieder „ausgehöhlt“
Zudem pochten die Vertreter der Alpenschutzkommission auf die Ausarbeitung eines „Konzepts der alpinen Raumordnung“ auf Basis der Alpenkonvention sowie die Einhaltung von bestehenden raumplanerischen Grundlagen durch die Behörden. Die Raumordnungen seien in der Vergangenheit immer wieder ausgehöhlt worden, kritisierte der Vorsitzende von CIPRA-Österreich, Peter Haßlacher.
Die Alpenschutzkommission forderte einen „Dialog auf Augenhöhe“ mit den Tourismusverantwortlichen und der Politik. „Die Problematik der Übererschließung ist nur auf internationaler, alpenweiter Ebene zu lösen“, so Haßlacher. Man wolle nun den Vorlauf für die 14. Alpenkonferenz in Deutschland Mitte Oktober nützen, an der auch die Umweltminister der Alpenstaaten teilnehmen werden. Dort sollten sich die Verantwortlichen der Problematik annehmen. „Es müssen die heißen Themen der Übererschließung, des Transits, der Raumordnung und des alpinen Flächenverbrauchs angenommen werden“, erklärte Haßlacher.
Derzeit finde jedenfalls ein länderübergreifendes Wettrüsten statt, das mit immer gigantischeren Investitionen und Umweltzerstörungen einhergehe - und das bei einer sinkenden Bedeutung des Skisports bzw. des Skitourismus. Die CIPRA-Verantwortlichen nahmen dabei etwa auf den geplanten Zusammenschluss der Gletscherskigebiete Ötztal und Pitztal Bezug. Dieses sei an „gigantischer Projekterweiterung nicht mehr zu überbieten“, wurde kritisiert.
Ein Dorn im Auge sind den Alpenschützern auch die in Diskussion stehenden Erschließungen vom Kaunertaler Gletscher ins Langtauferer Tal.
CIPRA und ÖAV für Seilbahner „Oberegoisten-Vertreter“
Gewohnt scharfzüngig reagierte Franz Hörl, Obmann des Fachverbandes der österreichischen Seilbahnen auf die Kritik. Die beiden Organisationen seien „Oberegoisten-Vertreter“, die auf allen Ebenen danach trachten würden, die „Täler menschenleer zu machen“, sagte Hörl zur APA. Dem geforderten Moratorium beim Ausbau von Skigebieten kann Hörl nichts abgewinnen.
Die Forderungen der beiden Organisationen seien aber ohnehin „nichts Neues“, meinte Hörl. Überdies brauche man keine „Zurufe“ von CIPRA und ÖAV. Man lebe seit Jahrzehnten im Einklang mit der Natur und sei „sehr ökologisch orientiert“, verteidigte der Seilbahnen-Chef seine Branche.
Sauer stößt ihm vor allem die Kritik des Alpenvereins auf. Dessen Mitglieder seien es, die Natur und Berge „zu jeder Tages- und Nachtzeit“ nützen wollen. „Und das auch ohne nur einen Cent zu zahlen“, so Hörl. Es sei „paradox“, das nun ausgerechnet die ÖAV-Vertreter gegen touristische Infrastruktur in den Bergen wettern würden.
Mäßig begeistert zeigte sich Hörl denn auch über die Alpenvereins-Forderung nach einem „Runden Tisch“. Wenn schon, dann fordere er einen „Runden Tisch“, wie man die Natur mit dem „Lebensraum Mensch“ in Einklang bringen könne. (APA)