Vom Hörsaal in das Scheffauer Gemeindeamt

Neo-Bürgermeister Christian Tschugg (31) befürchtet Sparmaßnahmen, „die weh tun“, und hält nichts von „politischen Kindergartenstreitereien“.

Christian Tschugg vor dem Bürgermeisterbüro im Scheffauer Gemeindeamt. Er hat es mit großem Vertrauensvorschuss der Wähler übernommen.
© Otter

Von Wolfgang Otter

Scheffau a. W. K. –Er ist 31 Jahre alt „oder jung, ganz wie man es sehen will“, und er sei „noch zu haben“, wie er schmunzelnd erzählt. Die Rede ist von Christian Tschugg, derzeit Student und Bürgermeister.

Seit Ende Februar ist er neuer Gemeindechef von Scheffau am Wilden Kaiser (1350 Einwohner). Der Obmann der AAB-Ortsgruppe (ÖVP) wurde auf Anhieb von 61 Prozent zum neuen Bürgermeister gewählt, seine Liste „Mein Scheffau“ erhielt 53 Prozent der Stimmen. Damit verfügt Tschugg auch mit sieben Sitzen über die Mehrheit im 13-köpfigen Gemeinderat.

Der gebürtige Wattenberger hatte immer schon Interesse an der Politik, war Schülervertreter in der HTL Fulpmes für Maschinenbau. Er ging nach der Schule in die Finanzdienstleistungsbranche und hat nach einem beruflichen Ausflug von zwei Jahren nach Wien am MCI ein Wirtschaftsstudium begonnen. „Das werde ich, so Gott will, nächstes Jahr im Sommer abschließen“, erzählt er. Derzeit konzentriere er sich neben dem Bürgermeisterjob ganz auf das Studium.

Tschugg sieht sich mit vielen Aufgaben konfrontiert: „Sie sind sehr vielschichtig, neben Investitionen gilt es auch erstmals für Scheffau ein Leitbild und eine Strategie aufzustellen.“

Eine große Aufgabe ist es, die Finanzen in den Griff zu bekommen. „Wir stehen zwar gut da, hier wurde von meinen Vorgängern wirklich gut gearbeitet. Aber es ist erkennbar, dass sich eine deutliche Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben auftut.“ Eine Entwicklung, die in vielen Ortschaften zu beobachten sei. „In der Gemeinde haben wir nicht viele Möglichkeiten, einnahmenseitig sehr viel zu tun.“ Man werde sparen müssen, „das wird teilweise sogar weh tun, fürchte ich“. BM Tschugg will auf alle Fälle die Effizienz des Amtes steigern und den Fokus auf Gewerbeansiedlungen richten. „Wobei wir als Tourismusgemeinde auf Dienstleistungs- und Technologiebetriebe setzen, die mit dem Tourismus, auf den wir stolz sind, verträglich sind.“

Die Entwicklung der Grundpreise sieht er mit Sorge. „Wir sind in einer Immobilienpreislage, die für den Einheimischen problematisch ist. Wir müssen dagegensteuern und können nicht tatenlos zuschauen, sonst vertreiben wir die jungen Leute. Und die machen das Dorf aus. In diesem Zusammenhang hoffe ich, dass wir Flächen akquirieren, die wir an Einheimische vergeben können. Der freie Grundstücksmarkt ist jedenfalls in einer Preislage, die nicht mehr leistbar ist“, sagt Tschugg. Neuwidmungen sind in Scheffau bereits sehr stark reduziert und reguliert. Widmung gibt es nur bei Eigenbedarf oder wenn Bedarf nachgewiesen wird, das werde auch im nächsten Raumordnungskonzept so festgehalten. Für Tschugg gehe jedenfalls „das Glück des Dorfes vor den finanziellen Interessen Einzelner“.

Aber es gilt für Scheffau auch in die Sanierung der Infrastruktur zu investieren und die Anbindung an die B178 abzuschließen. „Ganz abgesehen davon ist es wichtig, die Strukturierung der Gemeinde zu überdenken und die Bürgerbeteiligung zu steigern“, hofft Tschugg auf einen „erfolgreichen nachhaltigen Weg“. Freude bereite ihm das politische Klima im Gemeinderat. „Es gibt keine politischen Kindergartenstreitereien, sie wären auch das erste Anzeichen für das Scheitern der Kommunalpolitiker.“

Die Gemeinde Scheffau vor der imposanten Kulisse des Wilden Kaisers ist in erster Linie ein florierender Tourismusort.
© chris thomas, TVB Wilder Kaiser

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