Wacker-Fans in Wattens: Vermummt ins nackte Derby-Grauen

Die zweite 1:2-Derby-Niederlage des FC Wacker gegen die WSG Wattens schmerzt die Hauptstädter. Weit schlimmer freilich wiegt der Imageschaden.

Nicht alle Wacker-Fans nahmen am Freitagabend im Gernot-Langes-Stadion ein Gesichtsbad.
© APA/EXPA/Jakob Gruber

Von Alex Gruber, Florian Madl, Max Ischia

Innsbruck, Wattens –Es war ein Nachspiel der Schande. Und eines, das nicht zwingend überraschend kam. Die Chance nämlich, dass es bei einer neuerlichen Wacker-Pleite krachen würde im Gernot-Langes-Stadion, war groß. Nicht groß genug freilich, um das Tiroler Erstliga-Derby bereits im Vorfeld in die Kategorie Hochrisikospiel einzustufen. Dafür hatte schlichtweg so etwas wie eine gewaltbereite Wattener Fangemeinde gefehlt.

Es war ja nicht so, dass die Verantwortlichen nicht diverse Eventualitäten durchgespielt hätten. Dass aber rund zwanzig vermummte Gästefans nach der 1:2-Niederlage die Gästetribüne stürmen würden, hatte man nicht auf dem Zettel. Das räumte denn auch der Spielbeauftragte der WSG, Martin Schneebauer, ein. Und überhaupt: „Wenn jemand so etwas machen will, kannst du es nicht verhindern.“ Die vermummten Wacker-Fans hätten sich den Weg in den Kabinentunnel über das benachbarte Schwimmbad gebahnt und dabei ein Gatter aus der Verankerung gerissen und eine Tür beschädigt.

Tatsächlich schafften es einige in die Wacker-Kabine, wo sich aber nur noch eine Hand voll Kicker aufhielten und sich von einer Sekunde auf die nächste mit hasserfüllten Schimpftiraden konfrontiert sahen. Einer der Krawallbrüder donnerte – wohl um seinen Worten Nachdruck zu verleihen – immer wieder mit einem Holzstock gegen eine Metallkiste. Kurz darauf war der Spuk vorbei. Nach tumultartigen Szenen im Kabinengang wurde die Polizei nicht zuletzt unter Einsatz von Pfefferspray Herr der Lage. Wacker-Kapitän Alex Hauser saß zu diesem Zeitpunkt wie der Großteil der Mannschaft bereits im Bus. „Solche Vorfälle gehen zu weit, viel zu weit. Was ist dann der nächste Schritt?“, fragte er kryptisch.

Nahezu zeitgleich hatten sich laut Polizei rund 60 zum Teil vermummte und zum Teil mit langen Holzstangen bewaffneten Fans auf dem nördlich gelegenen Trainingsplatz zusammengerottet – dort, wo ein paar Jungs fröhlich dem Leder nachjagten. Der Polizei gelang es, die wild gewordene Meute auf die Straße zurückzudrängen. Insgesamt wurden sechs Personen festgenommen, drei wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt und wegen Verdachts der schweren Körperverletzung, gegen neun weitere Personen wurde Anzeige erstattet. Zwei Polizisten, ein Sicherheitsmann und drei Wacker-Fans wurden leicht verletzt, bei zwei weiteren Polizisten war der Verletzungsgrad noch unbestimmt.

Dem Nachspiel der Schande war bereits in der 61. Minute ein Bengalo-Wurf aus dem Wacker-Sektor auf den Rasen vorausgegangen. Ein Vorfall, der zu einer siebenminütigen Zwangsunterbrechung geführt hatte. Dass Alfred Hörtnagl diesen Fauxpas im TV-Interview (Sky, Anm.) kurz nach dem Spiel verteidigte („Es ist ganz normal, dass die Fans enttäuscht sind und diese Enttäuschung zum Ausdruck bringen“), ließ in den diversen Internetforen die Gemüter hochgehen. Inakzeptabel war der gemeinsame Nenner. Der General Manager, der wegen chronischer Erfolglosigkeit auch selbst verstärkt in den Fokus der Kritik gerät, ruderte gestern zurück. „Der Bengalo, der aufs Feld flog, ist aufs Schärfste zu verurteilen und da will ich mich ganz klar distanzieren.“ Von den anderen Vorfällen hätte er zum Zeitpunkt des Interviews nichts gewusst.

Schon am späten Sonntagvormittag hatte sich Wacker-Boss Josef Gunsch in einer schriftlichen Stellungnahme zu Wort gemeldet und stellte noch einmal klar, dass der FC Wacker jegliche Art von Aggression verurteilte. Außerdem entschuldigte er sich bei der WSG Wattens mit Präsidentin Diana Langes und dem Vorstandsteam sowie den Anhängern beider Mannschaften. Denn letztlich sei es ja nur ein geringer Prozentteil der so genannten Fans, welche das Derby als Bühne für ihre Aggressionen missbrauchten. Gunsch: „Diese Radaubrüder braucht kein Mensch. Aber es ist nicht realistisch, dass man diesem Problem auf Dauer Herr wird.“

Die Exekutive hatte in der Folge alle Hände voll zu tun.
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Auch General Manager Alfred Hörtnagl stellte sich den aufgebrachten Fans.
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Nicht alle Wacker-Fans nahmen am Freitagabend im Gernot-Langes-Stadion ein Gesichtsbad.
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Wacker-Präsident Josef Gunsch mit aufgebrachten Fans in Wattens.
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