Debakel für Brasiliens Arbeiterpartei bei Regionalwahlen

Rio de Janeiro (APA/dpa) - Bei den Regionalwahlen in Brasilien, dem ersten Stimmungstest nach der Amtsenthebung von Präsidentin Dilma Rousse...

Rio de Janeiro (APA/dpa) - Bei den Regionalwahlen in Brasilien, dem ersten Stimmungstest nach der Amtsenthebung von Präsidentin Dilma Rousseff, hat Rousseffs linke Arbeiterpartei (PT) ein Debakel erlitten. Die Partei verlor fast 60 Prozent der Rathäuser, in denen sie bisher regierte, und führt nur noch 256 Städte und Gemeinden.

In der größten Stadt, Sao Paulo, eine traditionelle Hochburg der Linken, wurde der Bürgermeister Fernando Habbad von der PT abgewählt. Er verlor gegen den früheren TV-Moderator Joao Doria von der sozialdemokratischen Partei (PSDB). Mit 1027 Rathäusern (2012: 1015), in denen sie das Sagen hat, bleibt die Partei der demokratischen Bewegung (PMDB) klar stärkste Partei.

Die Wahlen in 5568 Städten und Gemeinden waren die ersten nach der umstrittenen Absetzung Rousseffs Ende August. Ihr wurden eine Verschleierung des tatsächlichen Budgetdefizits und nicht genehmigte Kreditvergaben vorgeworfen. Die PMDB hatte zuvor die Koalition mit Rousseffs Arbeiterpartei gebrochen, Vizepräsident Michel Temer von der PMDB übernahm das Präsidentenamt und schmiedete eine Mitte-Rechts-Koalition, die die PT nach 13 Jahren von der Macht verdrängte.

Viele Bürger lasten vor allem der Arbeiterpartei den größten Korruptionsskandal des Landes an. Bei Auftragsvergaben des Petrobras-Konzerns flossen über Jahre Schmiergelder an Parteien und Politiker. Rousseffs Vorgänger und PT-Mitgründer Luiz Inacio Lula da Silva soll der Prozess gemacht werden, die Justiz sieht ihn als einen der Drahtzieher dabei an.