Volksabstimmung - Westungarn ging hin, Budapest nicht
Budapest (APA) - Die Volksabstimmung über die Flüchtlingsquoten in Ungarn ist aufgrund der niedrigen Teilnahme ungültig. Doch die Beteiligun...
Budapest (APA) - Die Volksabstimmung über die Flüchtlingsquoten in Ungarn ist aufgrund der niedrigen Teilnahme ungültig. Doch die Beteiligung war in den verschiedenen Regionen und Städten recht unterschiedlich. Am höchsten - knapp über 50 Prozent - war die Teilnahme in den nordwestungarischen Komitaten Györ-Moson-Sopron und Vas an der österreichischen Grenze. Am anderen Ende lag Budapest mit bloß 39 Prozent.
Obwohl ansonsten die Wahlbeteiligung in der Hauptstadt überdurchschnittlich hoch zu sein pflegt, stieß die Fragestellung von Premier Viktor Orban über die „zwangsweise Ansiedlung nicht-ungarischen Staatsbürger in Ungarn“ durch die EU eher auf Desinteresse. Da die wenigsten ungarischen Bürger die Frage mit Ja beantworten wollten, blieben als Zeichen des Protests nur zwei Möglichkeiten - entweder nicht hingehen oder ungültig wählen.
Viele Bewohner Budapests schalteten offenbar auf Ablehnung: Es gingen nur wenige hin, und von diesen stimmten auch noch überdurchschnittlich viele (11,8 Prozent) mit ungültig, wie eine Zahlenanalyse des Nachrichtenportals „Index“ zeigt. Der landesweite Anteil der ungültigen Stimmen lag bei 6,27 Prozent der abgegebenen Stimmen, in den meisten der 19 Komitate betrug er um die 5 Prozent.
In Nordwestungarn, seit langem eine Hochburg der Regierungspartei Fidesz, stellte sich die Lage etwas anders dar. Letztlich verfehlte aber auch hier die Anzahl der gültigen Stimmen knapp die Marke von 50 Prozent (48,57 Prozent in Györ-Moson-Sopron, 49,35 Prozent in Vas). Interessanterweise waren von der Flüchtlingskrise besonders betroffene Gemeinden wie der Grenzort Hegyeshalom oder das in einer „provisorischen Aufnahmestation“ Flüchtlinge beherbergende Körmend in ihren Ergebnissen keineswegs herausstechend.
Lediglich in Vamosszabadi bei Györ, wo seit Jahren ein Flüchtlingslager besteht, war die Teilnahme mit 58 Prozent recht hoch - allerdings noch immer niedriger als etwa in Orbans von Flüchtlingen weitgehend unbetroffenem Heimatort Felcsut in Zentralungarn (64 Prozent). In der nahe gelegenen Flüchtlingslager-Gemeinde Bicske hielt sich das Interesse dagegen mit 48 Prozent in Grenzen: Ein Indiz dafür, dass es für die ungarischen Stimmbürger bei dem Votum wohl nicht primär um das Flüchtlingsthema ging.
Besonders kurios ging es im Süden im Komitat Csongrad zu, wo derzeit die beiden „Transitzonen“ in Betrieb sind, wo täglich jeweils 15 aus Serbien kommende Flüchtlinge Asylanträge stellen können. In der von den sich für ein Referendumsboykott aussprechenden oppositionellen Sozialisten (MSZP) geführten Komitatshauptstadt Szeged wurde das Votum zu einem veritablen Desaster: Nur 37,5 Prozent gingen zu den Urnen, der Anteil der ungültigen Stimmen lag bei über 10 Prozent. Das benachbarte Hodmezövasarhely konnte hingegen mit einer Teilnahme von 54 Prozent das höchste Interesse unter allen größeren Städten Ungarns verbuchen.
( S E R V I C E: Internetseite der ungarischen Wahlbehörde: http://www.valasztas.hu )
( 1099-16, 88 x 55 mm)
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