Georgien seit dem Ende der Sowjetunion

Tiflis (APA) - Bereits 1989 führten Unabhängigkeitsbestrebungen der Teilrepublik Georgien von der Sowjetunion, und wiederum der Region Südos...

Tiflis (APA) - Bereits 1989 führten Unabhängigkeitsbestrebungen der Teilrepublik Georgien von der Sowjetunion, und wiederum der Region Südossetien von Georgien zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Sowjets und Georgiern bzw. Georgiern und Südosseten.

1990 - Eine Nationalisten-Koalition gewinnt Mehrparteienwahlen, der Dissident Swiad Gamsachurdia wird Präsident des georgischen Obersten Sowjet (Parlament). Der Konflikt mit Südossetien eskaliert rund um eigene Wahlen dort, Kämpfe brechen aus. Russland und Georgien schicken Truppen nach Südossetien: Hunderte Tote und Zehntausende Flüchtlinge.

1991 - Georgien erklärt am 9. April nach einem klaren Ja in einem Referendum seine Unabhängigkeit. Gamsachurdia wird zum Präsidenten gewählt.

1992 - Nach Kämpfen mit oppositionellen Milizen („Bürgerkrieg“) wird Gamsachurdia aus dem Amt gejagt, der sowjetische Ex-Außenminister Eduard Schewardnadse wird als Staatsrats-Vorsitzender neuer starker Mann in Tiflis. Er einigt sich mit dem russischen Präsidenten Boris Jelzin auf einen Waffenstillstand in Südossetien. Kämpfe mit abchasischen Separatisten brechen aus.

1993 - Die georgischen Truppen müssen aus Abchasien weichen. Moskau hilft gegen einen Aufstand von Gamsachurdia-Anhängern, nachdem Georgien nun doch der russisch dominierten Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) beitritt.

1994 - Waffenstillstand mit Abchasien, eine neue Verfassung mit Präsidialsystem wird verabschiedet.

1995 - Schewardnadse wird zum Präsidenten gewählt.

2000 - Schewardnadse wiedergewählt.

2001 - Streit mit Russland - nun unter Präsident Wladimir Putin - über angebliche tschetschenische Rebellen in Georgien.

2003 - Baubeginn des georgischen Abschnitts der Ölpipeline von Baku (Aserbaidschan) nach Ceyhan (Türkei) unter Umgehung Russlands.

Nach von Unregelmäßigkeiten geprägten Parlamentswahlen im November „Rosenrevolution“ in Tiflis: Schewardnadse wird durch Massenproteste aus dem Amt gedrängt.

2004 - „Rosenrevolutionär“ Micheil Saakaschwili wird zum Präsidenten gewählt. Er hat in den USA studiert und will Georgien in die NATO führen und die Einheit des Landes wiederherstellen. Sein pro-westlicher Kurs erregt den Unmut Moskaus. Saakaschwili holt das ebenfalls abtrünnige Adscharien in den georgischen Staatsverband zurück.

2005 - Saakaschwili präsentiert vor dem Europarat einen Plan für die friedliche Autonomie-Lösung des Südossetien-Konflikts. Südossetien lehnt ab.

2006 - Russland verhängt ein Embargo gegen Wein und Mineralwasser aus Georgien, erhöhte Spannungen zwischen Moskau und Tiflis mit Ausweisung russischer Offiziere unter Spionagevorwürfen und Gegen-Ausweisung Hunderter Georgier. Die Baku-Tbilisi-Ceyhan-Pipeline (BTCP) wird eröffnet; eine Gasleitung nach Westen durch Georgien soll folgen.

2007 - Russland schließt den Rückzug seiner letzten Truppen aus Georgien ab - Ausnahmen: Südossetien und Abchasien.

Im November Massenproteste gegen Saakaschwili wegen Verschiebung der Parlamentswahl und Machtarroganz. Verhängung des Ausnahmezustands, scharfes Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten.

2008 - Saakaschwili gewinnt die vorgezogene, von Unregelmäßigkeiten überschattete Präsidentenwahl. Über 70 Prozent stimmen zudem für einen NATO-Beitritt. Der NATO-Gipfel in Bukarest weicht einer klaren Entscheidung für eine Aufnahme Georgiens aber aus: Beitrittsperspektive ohne Datum. Saakaschwilis Partei Vereinte Nationale Bewegung (VNB) gewinnt die Parlamentswahl.

Fünftägiger August-Krieg mit Russland nach Eskalation wegen Südossetien, das Saakaschwili nun mit Gewalt zurückholen will. Georgien verliert. Russland erkennt Abchasien und Südossetien als eigene Staaten an und bleibt dort militärisch präsent.

2009 - Die Opposition startet eine Kampagne für den Rücktritt Saakaschwilis.

2010 - Das Parlament beschließt eine Verfassungsänderung: nach nächster Präsidentenwahl Abwertung des Präsidenten, Aufwertung des Ministerpräsidenten und des Parlaments. Gerüchte, Saakaschwili wolle nach zweiter und letzter Amtszeit nun a la Putin in Russland Ministerpräsident werden.

2012 - Die vom Milliardär und früheren Saakaschwili-Unterstützer Bidsina Iwanischwili gegründete Partei Georgischer Traum gewinnt an der Spitze eines Sechs-Parteien-Bündnisses die Parlamentswahl, Iwanischwili wird Ministerpräsident. Seine Regierung betreibt weiter die EU- und NATO-Annäherung bei gleichzeitiger Gesprächsbereitschaft mit Russland. Gestörtes Verhältnis zwischen Regierung und Präsident Saakaschwili.

2013 - Moskau hebt das Embargo gegen georgische Agrarprodukte auf; zugleich bauen russische Soldaten verstärkt an einem Zaun zwischen Südossetien und dem georgischen Kernland.

2014 - Unterzeichnung und Anwendung von Assoziierungs- und vertieftem Freihandelsabkommen mit der EU, Fortschritte auch bei NATO-Annäherung.

(Alternative Schreibweisen - Zviad Gamsakhurdia, Shevardnadze, Mikheil Saakashvili, Bidzina Ivanishvili)