Der Direktor und das liebe Vieh
Der erste Oberländer Direktor der Landwirtschaftskammer, Ferdinand Grüner, outet sich als begeisterter, praktizierender Bauer und sieht das „Feuer in den Augen der Jungen“.
Von Hubert Daum
Silz –Vor gut einem Monat trat der Silzer Ferdinand Grüner, der mit überwältigender Mehrheit als Nachfolger von Richard Norz zum neuen Kammerdirektor gewählt wurde, seinen Dienst an. Der studierte Jurist ist der erste Oberländer, der gemeinsam mit dem LK-Präsidenten die Tiroler Kammerspitze bildet. Im weitesten Sinne ein bäuerliches Eigengewächs, denn gleich nach dem Studium arbeitete Grüner im Bauernbund und wechselte vor neun Jahren als Personalchef in die Landwirtschaftskammer (LK). Als nunmehriger Kammerdirektor hat der 44-Jährige die Hoheit über 140 Mitarbeiter und ein Budget von 15 Millionen Euro.
„Ich habe den Vorteil, dass ich Strukturen und Mitarbeiter kenne, über die Hälfte habe ich ja selbst eingestellt“, sieht Grüner einen großen Vorteil in seiner neuen Funktion und kann den Stolz über das ihm entgegengebrachte Vertrauen nicht verhehlen: „Ich spüre auch eine große Akzeptanz in der Bauernschaft, weil ich ja selbst einen Betrieb habe.“ Und den werde er weiterführen, weil er begeisterter Landwirt sei und ihn diese Arbeit motiviere. „Das geht natürlich nur im Teamwork mit meiner Frau und Vater Johann, dem ich viel verdanke, er ist noch stark involviert in die tägliche Arbeit.“ Über 20 Stück Vieh, die Bewirtschaftung von rund zehn Hektar und die Vermarktung von Fleisch, Getreide, Erdäpfeln und Mais sind zu managen. Die Grüners sind durch die Belieferung der Gastronomie mit Kartoffeln selbst Direktvermarkter.
Diese Vermarktungsform möchte der zweifache Familienvater forcieren: „Ich werde mich bemühen, dass wir in der Direktvermarktung noch mehr Beratung anbieten. Wir müssen uns aber auch den Großküchen widmen.“ Zurzeit sei man in Verhandlungen mit der Küche der Tilak. Aber auch für den Handel sollen analog der erfolgreichen Marke „Jahrling“ neue Programme beispielsweise auch für Getreide entstehen.
Grundvoraussetzung dafür ist die Fortführung der landwirtschaftlichen Betriebe durch die junge Generation. Ferdinand Grüner ist überzeugt, dass die Jungen auch in den kleinen Strukturen im Oberland weitermachen: „Die Rahmenbedingungen müssen natürlich passen. Ich glaube nicht, dass die Täler bei uns in zehn Jahren anders aussehen. Kürzlich bei der Käseolympiade in Galtür habe ich das Feuer in den Augen der Jungbauern gesehen, da mache ich mir keine Sorgen. Neben der Begeisterung ist mittlerweile auch der Ausbildungsstand sehr gut. Wünschenswert wäre allerdings, dass sich die Zusammenarbeit mit dem Tourismus verstärkt.“ Grüners größter Wunsch für die Landwirtschaft im Oberland sei, mit dem starken Partner Tourismus die Erzeugnisse, die hier produziert werden, auch hier zu verkaufen. „Wir arbeiten gerade daran, eine Marke für die Fleischverwertung von Kalbinnen, die nicht in die Zucht gehen, aufzubauen.“ Die Idee einer Sennerei in Imst sei nicht gestorben, dies sei aber nur in Kooperation mit einem „Big Player“ möglich.
Der LK-Direktor als Fan des Teamworks, das der Silzer auch in seiner Funktion sehr schätzt. „Vieles sollte gemeinschaftlich entstehen. Allerdings ist auch eine starke Hand gefragt“.
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