Verwilderte Hänge werden zu Almwiesen
Am Glungezer werden verwilderte Hänge in Weideflächen zurückverwandelt. Wo Stauden wucherten, sollen Rinder grasen.
Tulfes –Eine ungewöhnliche Baustelle gab es vor Kurzem bei der Tulfein Alm. Mit schwerem Gerät, aber ebenso mit Rechen in den Händen, machten sich zehn Männer daran, zugewachsene Almwiesen von Gestrüpp und Steinen zu befreien. „Weideflächenrückgewinnung“ nennt das der Tulfer Bürgermeister Martin Wegscheider. Als Substanzverwalter der örtlichen Agrargemeinschaft wolle er „nicht einfach zuschauen, wie die Alm verkarstet“. Mit der Aktion verfolgt er mehrere Ziele. „Zum einen geht es mir um die Pflege des Kulturlandes“, erklärt Wegscheider, zum anderen gebe es in Tulfes einen Bedarf an Weidefläche. Rund 2,5 Hektar mehr sollen den örtlichen Bauern künftig für Weidevieh zur Verfügung stehen. Wegscheiders Ziel: Sämtliche Tulfer Rinder sollen ihre „Sommerfrische“ am Glungezer verbringen können. Noch sei das aufgrund zu kleiner Almflächen nicht möglich.
Die behördlich genehmigte und mit dem Tulfer Agrarausschuss akkordierte Rückgewinnung wird zusätzliche Fördereinnahmen bringen – allerdings erst, wenn aus den von Sträuchern und Latschen befreiten Hängen auch wirklich Almwiesen geworden sind. Kurz vor dem ersten Frost sollen deshalb Gräser gesät werden. Damit diese im kommenden Jahr gut gedeihen, wurden die Hänge mit einem geländegängigen Spinnenfahrzeug gemulcht.
Gefragt war aber auch pure Körperkraft. Für die Nacharbeiten, also das gleichmäßige Verteilen des Mulchs und das Entfernen von Steinen und Strauchresten, konnten Asylwerber aus Nigeria, Somalia und Tschetschenien gewonnen werden, die in Kleinvolderberg untergebracht sind. Einer von ihnen ist Scott – mit dreißig Jahren der Älteste auf der alpinen Baustelle. Er sei froh, hier mitarbeiten zu können, erzählt der Nigerianer, der vor zwei Jahren nach Österreich gekommen ist. Auch Alan aus Tschetschenien gefällt die Tätigkeit. „Ich habe in meiner Heimat eine Ausbildung zum Buchhalter gemacht“, sagt der 21-Jährige, eigentlich arbeite er aber lieber mit den Händen.
Entsprechend der gesetzlichen Vorgaben erhalten die Asylwerber für die gemeinnützige Tätigkeit drei Euro pro Stunde. Zusätzlich gibt es Verpflegung auf der Tulfein Alm. Die Gesamtkosten der Flächenrückgewinnung beziffert Wegscheider mit rund 10.000 Euro. „Das Geld stammt aus den Einnahmen der Agrargemeinschaft. (mxs)
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