„Wichtiges Symbol“: Abschied von Neville Marriner im Musikverein

Wien (APA) - Das Pult im Wiener Musikverein blieb leer. Eigentlich hätte der große Neville Marriner am Dienstagabend im Goldenen Saal seine ...

Wien (APA) - Das Pult im Wiener Musikverein blieb leer. Eigentlich hätte der große Neville Marriner am Dienstagabend im Goldenen Saal seine Academy of St. Martin in the Fields dirigieren sollen, was der Tod des 92-Jährigen in der Nacht auf Sonntag verhinderte. Und so wurde der Abend zum musikalischen Lebewohl eines Orchesters von seinem Gründer.

„Das ist ein wichtiges Symbol“, würdigte Musikvereinsintendant Thomas Angyan zum Auftakt die Entscheidung der Academy, ihr Programm ohne Dirigent zu spielen. „Das ist heute auch ein sehr trauriges Konzert“, erinnerte Angyan zugleich an die 28 Abende, die Marriner seit seinem Debüt 1976 im Haus geleitet hatte - dabei oft am Pult der von ihm gegründeten Academy of St. Martin in the Fields. Diese hatte der Brite 1958 ins Leben gerufen, als Ensemble unabhängiger Musiker, das nie auf den Zug der Originalklangbewegung aufsprang und sich dennoch einen Platz in der ersten Reihe der Interpretation Alter Musik erspielte.

Neville Marriner war dabei nicht der Furcht einflößende Maestro oder die Diva mit Taktstock, sondern Primus inter Pares, der noch am Donnerstag (29. September) am Pult des Orchestra di Padova e del Veneto gestanden hatte. Insofern war die Entscheidung der seit der Spielzeit 2011/2012 vom Violinisten Joshua Bell geleiteten Academy nur folgerichtig, auch den selbstbestimmten Abschied von seinem Gründungsvater zu nehmen.

Als Kern des Abends fungierte Beethovens Violinkonzert, für das der Academy Starviolinistin Julia Fischer zur Seite stand - wobei das Motto Kontrast lautete. Während das Kammerorchester die Beethoven-Partitur eher langsam nahm, nicht spritzig, sondern sich im weichen Klangbett nobel einrichtete, stellte Fischers Spiel die Antipode dazu dar. Jeder Ton akzentuiert, von schnörkelloser Klarheit sowie strahlender Brillanz und dabei doch gewohnt unprätenziös.

Ihrem eigenen klanglichen Grundcharakter blieb die Academy auch bei Mendelssohns „Hebriden“-Ouvertüre und Mozarts Symphonie Nr. 39 treu. Spielerische Figuren wurden durch breiten Streicherklang geglättet, aufsteigenden Crescendi der hohen Streicher ein gedämpfter Bassteppich zur Abfederung untergeschoben. Um hie und da einmal einer Instrumentengruppe das Heraustreten aus dem Klangbild zu ermöglichen, bedarf es eben doch eines kundigen Wegbegleiters. Und von diesem verabschiedete sich das Orchester am Ende mit dem emotionalsten Moment des Abends - seiner Interpretation der irischen Volksweise „Danny Boy“, einem der Lieblingswerke Neville Marriners.

(S E R V I C E - www.musikverein.at)