Streit zwischen Irak und Türkei im Vorfeld der Mossul-Offensive

Mosul (Mossul)/Bagdad/Ankara (APA/AFP) - Angesichts der bevorstehenden Offensive in Mossul, der letzten Hochburg der Jihadistenmiliz Islamis...

Mosul (Mossul)/Bagdad/Ankara (APA/AFP) - Angesichts der bevorstehenden Offensive in Mossul, der letzten Hochburg der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) im Irak, streiten der Irak und die Türkei darüber, wer an dem Einsatz beteiligt sein soll. Der irakische Regierungschef Haider al-Abadi warnte am Mittwoch vor einer gefährlichen Einmischung der Türkei.

Er fürchte, dass „das türkische Abenteuer sich zu einem regionalen Krieg entwickelt“, sagte Al-Abadi bei einer Pressekonferenz in Bagdad. Auf dem Stützpunkt Bashika im Norden des Irak sind türkische Soldaten stationiert, um sunnitische Freiwillige für die Mossul-Offensive auszubilden. Der Irak ist empört, dass das türkische Parlament am Wochenende das Mandat für das Eingreifen türkischer Truppen im Irak und in Syrien verlängert hatte.

Die türkische Regierung hatte in den vergangenen Tagen ihrerseits wiederholt Vorbehalte gegen die eventuelle Beteiligung von schiitischen Milizen und Kurden an einer Rückeroberung von Mossul geäußert. Nachdem die Regierung in Ankara am Dienstag in der Angelegenheit den irakischen Botschafter einbestellt hatte, tat die irakische Regierung am Mittwoch dasselbe mit dem türkischen Botschafter, wie aus den Außenministerien beider Länder verlautete.

Das irakische Parlament forderte die Regierung in Bagdad auf, Strafmaßnahmen gegen die „Besatzungsmacht“ Türkei zu verhängen. Der türkische Vize-Regierungschef Numan Kurtulmus reagierte darauf am Mittwoch mit der Frage: „Wo war die irakische Regierung“, als der IS im Sommer 2014 Mossul eingenommen hatte.

Das überwiegend sunnitische Mossul ist die letzte große Stadt im Irak, die noch unter der Kontrolle der Jihadistenmiliz steht. Die irakische Regierung will die zweitgrößte Stadt des Landes mithilfe der US-geführten Militärkoalition gegen den IS demnächst zurückerobern.

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hatte am Wochenende gefordert, Mossul solle nur durch Kämpfer befreit werden, die eine ethnische und religiöse Beziehung zu der Stadt haben - und nicht etwa durch die Kurdenmiliz YPG, die Ankara als Arm der als terroristisch eingestuften Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) betrachtet.

Der türkische Verteidigungsminister Fikri Isik warnte inzwischen vor einer Massenflucht im Zuge einer Offensive in Mossul. „Unsere Verbündeten müssen die Möglichkeit von einer Million Flüchtlinge im Fall eines Einsatzes in Mossul aufmerksam untersuchen“, zitierte die Nachrichtenagentur Dogan den Minister am Mittwoch.

Eine solche Massenflucht müsse „innerhalb der Grenzen des Irak“ bewältigt werden. Wenn Einwohner Mossuls auch in die Türkei fliehen würden, wäre dies „eine große Bürde“ für sein Land, die auch Auswirkungen auf Europa haben könne, warnte Isik.

Südlich von Mossul starben am Mittwoch bei einem Luftangriff etwa 20 regierungstreue sunnitische Stammeskämpfer. Es habe sich „höchstwahrscheinlich“ um ein Bombardement der US-geführten Militärkoalition gehandelt, sagte ein hochrangiger Vertreter des US-Verteidigungsministeriums der Nachrichtenagentur AFP. Die sunnitischen Kämpfer seien wohl irrtümlich für Feinde gehalten worden, der Vorfall werde genau untersucht.