Travestie-Künstler

Morgens Mann, abends Frau

Sechs Ladys, die ihr Publikum unterhalten wollen. Die "Herrlichen Damen" auf der Showbühne mit Federbusch, falschem Busen und allem Drum und Dran.
© Herrliche Damen

Eineinhalb Stunden dauert die Metamorphose, dann wird aus Christian Vazansky Bobby Blue. Heute gastiert der Travestie-Künstler mit den „Herrlichen Damen“ in Innsbruck.

Von Nicole Strozzi

Innsbruck –Der tägliche Schritt auf die Waage gehört für Christian Vazansky zum Leben wie die falschen Wimpern auf den Augenlidern. Warum der 36-jährige Oberösterreicher so streng auf seine Figur achtet, hat mit einer Frau zu tun. Ihr Name: Bobby Blue. Ihr Job: Tänzerin, Sängerin, Entertainerin. Bobby ist Christians zweites Ich. Denn abends, wenn die Lichter auf der Showbühne angehen, ist Christian nicht mehr Christian, sondern eine brünett-gelockte Lady.

Gemeinsam mit seinen fünf Mädels Liz, Paris, Sugar, Marcel und Tina gehört Bobby zum Ensemble der „Herrlichen Damen“, eine Travestie-Gruppe, die seit 30 Jahren in unterschiedlichen Formationen namhafte Bühnen dieses Landes unsicher macht.

Christian Vazansky vor der Verwandlung.
© Herrliche Damen/Vazinsky

Das Leben einer Frau ist kein Zuckerschlecken, das wissen auch die „herrlichen“ Männer hinter den „herrlichen“ Damen. „Die High Heels sind nicht die größte Herausforderung. Auf hohen Hacken zu stöckeln, kann man üben“, sagt Vazansky. Viel anstrengender sei die körperliche Disziplin. „Kostüme wachsen eben nicht mit“, lacht der ausgebildete Musical-Darsteller. Einfach faul auf der Couch liegen, geht da nicht. „Wir reisen mit 2,5 Tonnen Gepäck, mit Hunderten von Kostümen und Unmengen an Technik.“

Ausladen, aufbauen, Proben, 120 Shows im Jahr, jedes Jahr ein neues Programm, dafür müsse man das ganze Jahr über fit sein. Weibliche Bewegungen müssen studiert, Abläufe koordiniert werden.

Auf der Bühne nennt sich der Travestie-Künstler Bobby Blue.
© Herrliche Damen/Vazinsky

Allein die Zeit in der Maske beträgt etwa eineinhalb Stunden. Kein Barthaar soll zu sehen sein, keine buschigen Augenbrauen, das Kleid muss sitzen, Perücke und falscher Busen sowieso. Die Verwandlung soll perfekt sein

Seit elf Jahren ist Vazansky nun Teil seiner Mädels-Clique, seit sieben Jahren Leiter der Truppe. Abends, wenn die Lichter wieder ausgehen, ist Christian wieder Christian. Also ein Mann, mit Bartstoppeln und allem, was dazugehört. „Die Frauenrolle ist für alle Männer im Ensemble reine Show“, sagt er. Im Alltag werden Fummel und Federboa abgelegt. Etwa die Hälfte der Mitglieder lebe in einer Partnerschaft. Keine Partnerin habe damit ein Problem, dass ihr Partner sich während des Auftritts zu einer Frau verwandelt. Die Akzeptanz sei sehr groß. Und auch von außerhalb gebe es keine Anfeindungen. „Beschimpfungen erleben wir keine. Aber natürlich herrscht hin und wieder eine gewisse Unsicherheit“, sagt Vazansky. Vor allem Männer seien teilweise etwas gehemmt, in die Show zu kommen.

„Manche glauben, eine Travestie-Show sei etwas Anrüchiges, Ordinäres. Aber das stimmt überhaupt nicht. Ich sehe es als unsere Aufgabe, Travestie auf höchstem Niveau zu betreiben und salonfähig zu machen. Wir wollen die Leute zwei Stunden lang aus dem Alltag herausholen und mit unseren Parodien zum Lachen bringen“, erklärt der Entertainer. Heute gastieren vier der „Herrlichen Damen“ in Innsbruck. Die Show unter dem Motto „Zart!“ ist eine Hommage an Mozart, der um die Welt reist und sich unter anderem in „Greece“ wiederfindet. „Es wird lustig“, verspricht Vazansky, bevor er sich in der Maske in Bobby Blue verwandelt.