Auf der Suche nach der Seidenstraße
Der Dokumentarfilm „The Music of Strangers“ macht sich auf die Spur des „Silk Road Ensemble“ von Weltstar Yo-Yo Ma.
Innsbruck –Yo-Yo Ma war acht Jahre alt, als Leonard Bernstein das Wunderkind der Fernseh-Öffentlichkeit vorstellte. Der mit dem heutigen Tag 61 Jahre alte Cello-Star hat mittlerweile 90 Tonträger aufgenommen, 18 davon wurden mit einem Grammy ausgezeichnet. Er spielte für acht US-Präsidenten und trat zweimal in der Sesamstraße auf. Der Sohn einer Sängerin und eines Musik-Professors gründete 1998 das Silk Road Projekt, eine Non-Profit-Organisation, die die weltweite Zusammenarbeit zwischen Künstlern und Institutionen fördern soll. Das Silk Road Ensemble, ein Teil dieses Projekts, steht im Zentrum des Dokumentarfilms „The Music of Strangers“ von Oscar-Preisträger Morgan Neville („20 Feet from Stardom“) .
Der charismatische Yo-Yo Ma, der im Rampenlicht aufgewachsen ist, hätte wohl alleine einen ganzen Film getragen, der Vorwurf des „Kulturtourismus“, der seinem Road Ensemble gemacht wird, trifft indes eher auf den Dokumentarfilm zu. So berauschend schön die einzelnen musikalischen Sequenzen, so rastlos geht es von Schauplatz zu Schauplatz: Iran, China, Spanien, Syrien und immer wieder in die USA. Aus den Interviews mit den herausragenden Instrumentalisten wurden die Kalendersprüche herausgepickt: „Die Kraft der Kunst kann jede Beschränkung überwinden“, heißt es da im Dienste des Wohlfühlfaktors in zahllosen Variationen. Die Vorstellungen der einzelnen Musiker und ihrer Instrumente, wie etwa Pipa oder Gaita, werden aneinandergereiht. Die Suche nach den eigenen Wurzeln, das Bestreben, Traditionen zu wahren und im Austausch der Kulturen Neues entstehen zu lassen, gelingt teilweise sehr berührend. Insbesondere die tragischen Geschichten des syrischen Klarinettenspielers Kinan Azmeh und des iranischen Kamantsche-Künstlers Kayhan Kalhor sind herzzerreißend. Seine eigene Geschichte vermag „The Music of Strangers“ indes nicht zu erzählen, die Musik trägt von Szene zu Szene, von Stimmung zu Stimmung. Die transformative Kraft von Musik bleibt, was die filmische Umsetzung anbelangt, eine Behauptung. (sire)
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