Opulente Hüllen für düstere Seelen
Bunte Stoffe und schwarzweiße Fotografien aus Afrika im Schwazer Museum der Völker.
Von Edith Schlocker
Schwaz –Die bunt bedruckten oder gebatikten Stoffe, die im Mittelpunkt der neuen Sonderausstellung im Schwazer Museum der Völker zu sehen sind, sind auf jedem westafrikanischen Markt zu haben. Noch. Verschwinden diese Stände doch immer mehr, nicht zuletzt wegen der Tonnen von Alttextilien, die von europäischen Hilfsorganisationen nach Afrika geschickt werden, beklagt Gert Chesi. Mit großen Konsequenzen. Gehe auf diese Weise doch nicht nur ein Stück authentischer Alltagskultur verloren, sondern verlieren dadurch auch die zahllosen kleinen Schneidereien ihre Daseinsberechtigung.
So ein afrikanischer Marktstand, auf dem Stoffe verkauft werden, bildet den Mittelpunkt der Schau. Umhängt von Stoffen der unterschiedlichsten Art, ganz billigen, industriell hergestellten und kostbaren handgebatikten. Stoffen aus Baumwolle und diversen Kunststoffen. Was sie verbindet, ist ihre opulente Buntheit. Die Muster sind floral, rein ornamental oder gestreift. Mehrere Meter werden für die Herstellung der traditionellen Wickelkleider benötigt, sehr viel weniger für die nach westlichem Vorbild geschneiderten Kleidchen.
Schwarzweiß sind dagegen die Fotografien von Henning Christoph, die in der Studiogalerie des Museums zu sehen sind. Analog geschossen und vom Leipziger Fotografen eigenhändig in der Dunkelkammer ausgearbeitet. Um in die fremde, sehr exotisch anmutende Welt der Oko, einem kleinen Königreich in den Bergen im Nordwesten von Kamerun, zu entführen.
Thema des eindrucksvollen Bilderzyklus sind die an magischen Orten gefeierten Feste von Geheimgesellschaften. Sie huldigen einem rätselhaften Gorillakult, um, angetan mit furchterregenden Masken, magische Rituale zu zelebrieren. Mitten im Dschungel oder auch inmitten der „modernen“ Welt lassen sich die Menschen in ihren traditionellen Kostümen doch von Autos und Motorräder absolut nicht aus der Ruhe bringen.
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