Unternehmen

Alpenbank-Mitarbeiter in Südtirol rebellieren

Fünf von zwölf Kundenberatern in Südtirol warfen aus Protest gegen die Wachstumsstrategie das Handtuch. Vorstand ortet andere Beweggründe.

Von Stefan Eckerieder

Bozen, Innsbruck –Bei der Alpenbank-Niederlassung des Innsbrucker Privat Banking Institutes in Bozen rumort es. Gleich fünf Kundenberater haben Ende September gleichzeitig gekündigt, wie das Onlineportal salto.bz berichtet. Grund dafür seien unterschiedliche Auffassungen über die strategische Ausrichtung der Bank, heißt es.

„Wir können und wollen nicht mit ansehen, wie die Bank, die wir mit aufgebaut haben, langsam aber sicher den Bach hinuntergeht“, wird einer der Berater auf salto.bz zitiert. Dass es tatsächlich ein angespanntes Verhältniss zwischen den ehemaligen Mitarbeitern und Vorstand Michael Atzwanger gegeben hat, bestätigt Vorstandssprecher Martin Sterzinger gegenüber der TT: „Ihre Meinung war, dass wir uns zu stark auf externe Finanzberater konzentriert haben und zu wenig auf interne Vermögensberater.“ Diese Strategie sei vom Vorstand gemeinsam mit den Gesellschaftern (Raiffeisen Landesbank Tirol und Raiffeisen Landesbank Südtirol zu je 49,9 Prozent und zu 0,0014 Prozent die Raiffeisen Centrobank AG) abgestimmt.

Dass die Bank, wie behauptet, „den Bach hinuntergeht“ bestreitet Sterzinger vehement. „Wir wollen wachsen, und diese Strategie ist für Italien die Richtige dafür“, sagt der Bankvorstand. Die schwächeren Ergebnisse der vergangen beiden Jahre seien „nicht überraschend gekommen“. In Südtirol steht für 2014 ein Minus vor Steuern von 732.000 Euro, für 2015 von 433.566 Euro. Im Gesamtgeschäft machte der Verlust 2014 rund 514.000 Euro aus und im Jahr 2015 138.000 Euro, sagt Sterzinger. „Das sind Verluste im Hunderttausenderbereich und diese waren einkalkuliert. Wir haben eine hohe Kernkapitalquote von 14 Prozent“, erläutert der Bankvorstand. Heuer erwartet Sterzinger ein ausgeglichenes Ergebnis.

Für den Weggang der Mitarbeiter sieht er noch andere Beweggründe. „In Italien ist ein irrsinniger Wettbewerb um Anlageberater.“ Wenn ein Finanzberater bei einem Wechsel seines Arbeitgebers sein Kundenportfolio mitnimmt, erhalte er als Provision bis zu zwei Prozent des eingebrachten Kundenvermögens. Zudem sei der Verdienst als freischaffender Berater wesentlich höher, als jener von Angestellten. Die fünf ehemaligen Alpenbank-Berater sind nun freischaffend für ein italienisches Institut tätig. Kunden seien aber noch keine abgesprungen.

Laut eigenen Angaben beschäftigt die Alpenbank in Südtirol 30 Mitarbeiter und arbeitet mit 40 freischaffenden Beratern zusammen. In Österreich seien 50 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt werde ein Vermögen von 1,8 Mrd. Euro verwaltet.