Tiroler Äpfel gibt’s nur bis Jahresende
Für unter einem Euro bekommt man heuer kein Kilo Erdäpfel. Bei Bioknollen gibt es rund 70 Prozent Ausfall. Tiroler Äpfel sind heuer von guter Qualität, aber Mangelware.
Von Alexandra Plank
Innsbruck –Reinhard Egger, Ackerbaureferent der Tiroler Bauernkammer, konnte es selbst nicht fassen, als ihm das Warnsystem bereits im Juni ankündigte, die Bauern müssten gegen Kraut- und Knollenfäule aktiv werden. „Die Landwirte haben gesagt: ‚Bist du jetzt narrisch worden, warst du am Feld, die Pflanzen sind noch keine zehn Zentimeter hoch‘“, erzählt er.
Am Ende des Tages behielten sowohl Egger als auch das Warnsystem Recht. Romed Giner junior, einer der größten Kartoffelproduzenten des Landes, spricht von einer guten Ernte. Das sei aber nur möglich gewesen, weil durch den vorsichtigen Einsatz von Fungiziden die Krautfäule verhindert wurde. Der Ertrag bei konventionell angebauten Erdäpfeln sei heuer um zehn Prozent höher als im Vorjahr. Dennoch sei die geerntete Menge im Vergleich zum Osten Österreichs nahezu „lächerlich“. Gänzlich anders schaut die Situation bei den Bioerdäpfeln aus. „Wir verzeichnen in unserer Region rund 70 Prozent Ernteausfall bei den biologischen Knollen“, sagt Hannes Schöpf vom Erdäpfelkeller Silz. Biobauern hätten zwar die Möglichkeit, die Pflanzen mit Kupfer gegen Krautfäule zu behandeln, aber der Erfolg sei geringer. „Natürlich ist es für die Biobauern bitter, wenn es zu einer Missernte kommt, aber sie wären nie bereit, mit dem Spritzfassel zu gehen, das ist schon auch eine Lebenseinstellung“, sagt Schöpf. Egger erklärt, dass die Behandlung mit Fungiziden in der Knolle nicht nachweisbar sei.
Wendelin Juen, Agrarmarketing Tirol, hat sich heuer dafür entschieden, keine Werbung für Bioerdäpfel zu machen, weil man nichts bewerben will, das nicht ausreichend vorhanden ist. Der Preis für die Knollen ist jedenfalls gut. „Unter einem Euro pro Kilo wird man ab Hof kaum heimische Erdäpfel kriegen. Für Bioerdäpfel wird noch mehr verlangt“, sagt Egger. (2015 waren es um die 70 Cent bis ein Euro ab Hof.) Er ist der Meinung, dass der Erdäpfelanbau für noch mehr Tiroler Bauern interessant wäre. „Wir haben einen Selbstversorgungsgrad von 60 Prozent, da ist noch viel möglich. Bei den Erdäpfeln sind die Bauern preislich nicht so abhängig wie bei der Milch“, glaubt Egger.
Schöpf erklärt indes, dass auch bei den Erdäpfeln der Markt den Preis bestimme. Je nachdem, wie viel Ware da sei, könne der Preis auch stark schwanken. Der Vorteil in Tirol sei, dass die Konsumenten stark auf Regionalität setzen und auch der Handel die heimischen Bauern unterstütze. Laut Egger versuchen die Bauern, die Preise recht konstant zu halten. „Das heißt andererseits, dass sie ihre Erdäpfel auch nicht um mehr Geld nach Deutschland verkaufen, wenn es dort einen Engpass gibt.“ Während 2015 davon die Rede war, dass der Trend im Handel immer mehr hin zu kleinen Größen geht, zuletzt 2-kg-Säcke, nimmt Schöpf eine Umkehr wahr. „Auch junge Leute kommen wieder zu uns und beziehen Zehn-Kilo-Säcke.“
Mehr Geld könnten die Produzenten heuer für Tiroler Äpfel verlangen, dennoch wird man bei den Haiminger Markttagen nicht mehr bezahlen müssen. „Wir hatten rund 70 Prozent Ernteausfall bei den Tiroler Äpfeln“, sagt Alexandra Harasser, Geschäftsführerin von Oberinntal Obst. Die heimischen Äpfel würden nur bis Jahresende verfügbar sein. In Südtirol schaut es viel besser aus. Doch die Euregio wird nicht schlagend: „Die Südtiroler spielen in einer anderen Liga, die sind nicht daran interessiert, ihre Äpfel als Tiroler Äpfel anzubieten“, sagt Harasser.
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