Hell ausgeleuchtete Salonkomödie: „Der Schwierige“ in der Josefstadt

Wien (APA) - Manchmal ist man eben schwierig. Vor allem, wenn man nur von Günstlingen, Emporkömmlingen und Hochstaplern umgeben ist. Da wird...

Wien (APA) - Manchmal ist man eben schwierig. Vor allem, wenn man nur von Günstlingen, Emporkömmlingen und Hochstaplern umgeben ist. Da wird der Zweifler schnell zum gesellschaftlichen Stolperstein. Gestern, Donnerstag, Abend zeigte Janusz Kica im Theater in der Josefstadt eine hell ausgeleuchtete und brav gespielte Deutung von Hofmannsthals „Der Schwierige“.

Dem von Michael Dangl als Graf Kari Bühl angeführten Ensemble hat man de facto keine Requisiten (Karin Fritz) geliehen, um diese traurige Salonkomödie über eine fadisierte und doch vom Krieg und dem offensichtlichen bevorstehenden Aussterben ihrer Gattung schwer gezeichneten Wiener Adelsgesellschaft szenisch zu beleben. Sie sind in helle, leere, schwarz-weiße Räume gesetzt wie Skulpturen in einen Whitecube, um ihre Gesichtszüge, aber auch ihre Winkelzüge am sozialen Parkett, möglichst en detail studieren zu können. Stoisch wird diese vor Peinlichkeiten nur so strotzende Soiree im gräflichen Hause aber gerade wegen ihrer radikalen Reduktion auf den Text nie.

Die Darsteller - etwa Matthias Franz Stein als junger Stani, der sich virtuos in einem heutigen, gut situierten ÖVP-Jungpolitikerjargon durch seinen Part turnt oder Pauline Knopf als ebenso verzweifelt verliebte wie nüchtern selbstbewusste Antoinette Hechingen - haben Spaß mit Hofmannsthals reichen verbalen Verzierungen ihrer Charaktere und bieten über drei Stunden lustvolles Dichtertheater. Michael Dangl gibt den „Schwierigen“ als modernen Anti-Helden, der bei genauerem Hinsehen deutlich weniger neurotisch ist als alle anderen und als einzige echte Identifikationsfigur dienen kann.

Von den Erfahrungen „draußen“ - gemeint sind die Schützengräben des Ersten Weltkriegs - ist der „Schwierige“ verändert und verinnerlicht zurückgekehrt und kann nicht mehr mit bei dem in fast hysterischer Verlegenheit um sich selbst kreisenden Wiener Salonleben, das seinen Untergang nicht wahrhaben möchte. Was Hofmannsthal in mehr als zehn Jahre dauernder Arbeit an diesem Stück auf Papier bannte, war vor allem das Porträt einer Adelsgeneration an der Kippe zur Selbstauflösung. Nicht zufällig sind die geschätzten Bediensteten (Alexander Strobele) alt und gebrechlich und der forsche Nachwuchs (Oliver Rosskopf) der gefährliche und umgehend entlassene Bote einer neuen Zeit. Angesprochen wird das Thema freilich nie.

Selbst die kluge Helene (Alma Hasun), die wenig zur Selbsttäuschung zu neigen scheint, verkennt ihre Langeweile als nachsichtige Liebe zum Grafen Bühl. Einzig Bühls Antagonist, der unliebsame, fremde und mit einem Hang zur Brutalität ausgestattete Graf Neuhoff (ambivalent: Christian Nickel), scheint zu begreifen, wo er und seine Elite stehen. Doch die Schlüsse, die er daraus zieht, sind frei von jeder Güte und weisen fast prophetisch auf die dunklen historischen Entwicklungen der Zwischenkriegszeit. Eifriger Premierenapplaus für einen sauber gearbeiteten Theaterabend.

(S E R V I C E - „Der Schwierige“ von Hugo von Hofmannsthal, Regie: Janusz Kica, Austattung: Karin Fritz; mit Michael Dangl, Ulli Maier, Matthias Franz Stein, Alma Hasun, Michael König, Pauline Knopf, Roman Schmezler, Christian Nickel. Weitere Vorstellungen am