Tiroler Landesuni für Ärzte wackelt

Keinen rechtlichen Persilschein dürfte die Medical School des Landes bekommen. Ende Oktober sollen alle Ergebnisse vorliegen.

Die Leopold-Franzens-Universität Innsbruck.
© Julia Hammerle

Innsbruck, Wien –Die neue Ärzteausbildungsschiene für Allgemeinmediziner hat mit erheblichen Hürden zu kämpfen. Vor allem rechtlich steht die Medical School auf wackeligen Beinen. Noch dazu spießt sich das umstrittene Stipendiensystem, das sicherstellen soll, dass vor allem heimische Ärzte ausgebildet werden, mit der Quotenregelung für Universitäten. Ende Oktober will Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) die Ergebnisse der Expertenkommission vorlegen.

Derzeit zittern die heimischen Universitäten, ob die Quote hält, dass 75 Prozent der Studienplätze Österreichern vorbehalten bleiben. Das war ursprünglich von der EU-Kommission wegen der Diskriminierung von EU-Bürgern bekämpft worden. Bis 2016 wurde ein Moratorium gewährt: Bis dahin muss Österreich nachweisen, dass ohne Quote die medizinische Versorgung des Landes nicht gesichert ist, etwa, weil Studenten aus Deutschland nach ihrem Studienabschluss Österreich wieder verlassen. VP-Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner sieht die Chance, dass die Quote hält, bei 60 Prozent. Österreich hat am Donnerstag seine Argumentation, warum es die Quote braucht, nach Brüssel geschickt.

Und an dieser Stelle kommt die Tiroler Medical School ins Spiel. Die Landesregierungen dies- und jenseits des Brenners würden Einheimischen Stipendien für die Medical School zahlen. Vorausgesetzt, sie verpflichten sich, eine gewisse Zeit als Arzt in Tirol oder Südtirol tätig zu sein. Südtirol hat ein solches Stipendiensystem und ist damit vor dem Europäischen Gerichtshof gelandet. Eine junge Ärztin hatte geklagt, weil von ihr verlangt wurde, einen Teil des Stipendiums zurückzuzahlen. Solange die Sache nicht ausgestanden ist, wackelt die Medical School bereits gewaltig. Im Bundesministerium in Wien fürchtet man zudem, dass dieses Stipendiensystem die Quotenregelung konterkarieren könnte. Man werde sich also in Brüssel mit der Unterstützung des Tiroler Modells zurückhalten, heißt es. Ohne Rückenwind vom Bund dürfte es schwierig werden.

Noch dazu haben die Medizin-Universitäten wenig Freude mit der landeseigenen Konkurrenz. Der Rektor der Wiener Med-Uni, Markus Müller, warnte diese Woche erneut vor einer „provinziellen Versorgungsdebatte“. In einer Ärztebedarfsstudie seien zahlreiche Vorschläge gemacht worden, wie man das Problem der Ärzteversorgung unter Kontrolle bringen könne. „Kein einziger davon ging in Richtung Gründung neuer Medizin-Unis“, betont Müller. „Da wird nur Wasser in einen Kübel mit Loch geschüttet.“

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Die Spitze der Tiroler Medizin-Universität ist skeptisch, lehnt aber eine Medical School nicht von vornherein ab. Voraussetzung sei allerdings, dass die Medical School rechtlich auf einem gutem Fundament stehe, hatte Rektorin Helga Fritsch gemeint. Das Fundament dürfte Risse bekommen haben. Wie berichtet, muss Fritsch darum bangen, verlängert zu werden. Würde sie ausscheiden, braucht es ein Jahr, bis der neue Rektor käme, dem das Land dann wiederum seine Pläne für die Medical School unterbreiten müsste. 2018 und damit am voraussichtlichen Ende dieser Landtagsperiode dürfte sich für die Medical School nicht mehr ausgehen. (aheu, APA)


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