Syrische Armee rückt offenbar weiter in Aleppo vor

Damaskus (APA/Reuters) - In Aleppo rücken Bodentruppen der syrischen Armee offenbar weiter in den stark umkämpften Ostteil der Stadt vor. Wi...

Damaskus (APA/Reuters) - In Aleppo rücken Bodentruppen der syrischen Armee offenbar weiter in den stark umkämpften Ostteil der Stadt vor. Wie ein Militärvertreter am Freitag sagte, nahmen die Soldaten mehrere wichtige Stellungen ein. Den Rebellen zufolge wurden sie jedoch wieder zurückgedrängt. Das Viertel sei weiter unter Kontrolle der Aufständischen.

Die Luftangriffe wurden am Freitag wie angekündigt weiter zurückgefahren. „Bis jetzt gibt es keine Angriffe“, sagte der Chef einer Zivilschutz-Organisation. „Wir wissen aber nicht, was in einer Stunde passiert.“ Das Militär hatte staatlichen Medien zufolge angekündigt, aus humanitären Gründen die Angriffe auf Ostaleppo zu verringern.

Seit zwei Wochen treibt die syrische Armee mit russischer Unterstützung eine Großoffensive in Aleppo voran. Als erster führender Politiker der Regierungskoalition in Deutschland brachte CDU-Politiker Norbert Röttgen am Freitag Sanktionen gegen Russland wegen der Luftangriffe in Syrien ins Spiel. Wirtschaftssanktionen hätten kurzfristig zwar keine Wirkung, würden aber längerfristig in die Folgenkalkulation des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit eingehen, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses der „Süddeutschen Zeitung“.

Die deutsche Regierung äußerte Verständnis für solche Forderungen. „Angesichts der wirklich entsetzlichen Situation in Aleppo, für die es bald keine Worte mehr gibt, angesichts der ungebrochenen Eskalation der Gewalt in Syrien, der fortgesetzten Berichte über Kriegsgräuel bis hin zu Kriegsverbrechen und eben des andauernden Leids der Zivilbevölkerung haben wir Verständnis dafür, dass über alle Optionen nachgedacht wird“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Im Vordergrund stünden für die Regierung aber die Bemühungen um eine Waffenruhe in Syrien. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte Russland am Freitag auf, die „grauenhafte“ Situation in Aleppo zu beenden.

Zuletzt war Bewegung in die diplomatischen Bemühungen zur Lösung des Syrien-Konflikts gekommen. Agenturmeldungen zufolge will Putin am 19. Oktober zu Gesprächen über Syrien und die Ukraine nach Paris reisen. Russland unterstützt im Syrien-Konflikt Präsident Bashar al-Assad politisch und militärisch. Weil sich Russland an der Offensive auf Aleppo beteiligt, kam es zuletzt zum Zerwürfnis mit den USA, die die Syrien-Gespräche mit der Regierung in Moskau abbrachen. Am Mittwoch nahmen die Außenminister der beiden Staaten aber wieder Kontakt auf.

Russland wirft den USA vor allem vor, sie lasse den Extremisten der Fatah-al-Sham-Front freie Hand. Die radikal-islamische Gruppe, die sich früher Nusra-Front nannte, führt den Kampf gegen die syrische Armee im Osten Aleppos an. Die USA verbündeten sich mit Terroristen, um den Sturz Assads zu erreichen, lautet die Kritik Russlands.