Oxidationsprozesse bei Fettleber begünstigen Karzinome

Wien (APA) - Leberschäden werden oft mit Alkoholkonsum und Virusinfektionen in Verbindung gebracht. Aber übergewichtige Österreicher, selbst...

Wien (APA) - Leberschäden werden oft mit Alkoholkonsum und Virusinfektionen in Verbindung gebracht. Aber übergewichtige Österreicher, selbst wenn sie keinen Alkohol trinken, leiden in der Mehrzahl ebenfalls an einem Leberschaden. Diese sogenannte nicht-alkoholische Fettleber kann ebenfalls für Leberzellkarzinome anfällig machen. Dahinter dürften laut Wiener Wissenschaftern oxidative Prozesse stecken.

Schätzungen besagen, dass mehr als 30 Prozent der heimischen Bevölkerung an Fettleber leiden. Solchen Patienten wird geraten, wenigsten zehn Prozent ihres Gewichts abzunehmen, um ihr Risiko an Leberkrebs zu reduzieren. Ein Forschungsteam um Richard Moriggl am Ludwig Boltzmann Institut für Krebsforschung, der Veterinärmedizinischen und der Medizinischen Universität Wiens hat jetzt entdeckt, dass oxidativer Stress ein Ansatzpunkt für neue Therapien sein könnte und ihre Ergebnisse in der renommierten Zeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht.

Oxidativer Stress bezeichnet einen Zustand, in dem in der Zelle reaktionsfreudige Moleküle gebildet werden, die dann mit Zellbestandteilen unkontrolliert reagieren und möglicherweise Mutationen auslösen. Diese reaktionsfreudigen Moleküle bezeichnet man als freie Radikale, weil in diesen chemischen Verbindungen ein freies Elektron vorliegt, das besonders aggressiv nach chemischen Reaktionspartnern sucht. Um freie Radikale abzufangen und ihren Schaden abzuwenden gibt es in den Zellen besondere Verbindungen. Wenn diese Antioxidantien nicht ausreichend vorliegen oder zu viele freie Radikale im Zellstoffwechsel gebildet werden, spricht man von oxidativem Stress.

Gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam hat Moriggl belegt, dass das Fettlebermodell einen hohen Grad an oxidativem Stress aufweist und relativ schnell Lebertumoren bildet. Mit einem genetischen Trick ist es den Forschenden gelungen, den oxidativen Stress in der Fettleber zu reduzieren. „Wir haben festgestellt, dass Fettlebern ohne oxidativen Stress wesentlich langsamer und deutlich weniger Tumoren entwickeln“, wurde der Wissenschafter in einer Aussendung zitiert.

Die Experten forschen seit Jahren an Signalwegen, welche die Familie der STAT-Transkriptionsfaktoren einschalten. Das stellt einen Schutz dar. Wird dieses Molekül aber genetisch entfernt, entsteht eine Fettleber, die sich schnell zu Lebertumoren weiterentwickelt. Die Forscher stellten fest, dass die STAT-Signale auch die Produktion des Enzyms Glutathion-S-Transferase (GST) verursachen, das in der Entgiftung von Zellen eine Rolle spielt. Fehlt das Signal, ist oxidativer Stress die Folge.

„Wir wissen zwar noch nicht, was die Signale von Wachstumshormon und GST verbindet, aber für eine Therapie ist das vielleicht nicht wichtig. Es gibt viele Möglichkeiten oxidativen Stress medikamentös zu beeinflussen“, wurde Moriggl zitiert. In der Veröffentlichung verwenden die Forscher RNA-Interferenz und das zugelassene Medikament Ruxolitinib, um eine Entgiftung durch GST wiederherzustellen. „Der entscheidende Fortschritt ist, dass wir jetzt zeigen konnten, wie man die Entwicklung von Leberkrebs von der Fettleber entkoppeln kann. Oxidativen Stress in Patienten mit Fettleber zu verringern, ist offensichtlich ein gangbarer Weg, um das Risiko für Leberkrebs zu senken.“