Syrische Truppen setzen Vormarsch in Aleppo fort

Damaskus (APA/AFP/dpa) - Vor der für Freitag angesetzten Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats zu Syrien haben die Truppen von Staats...

Damaskus (APA/AFP/dpa) - Vor der für Freitag angesetzten Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats zu Syrien haben die Truppen von Staatschef Bashar al-Assad ihren Vormarsch in der syrischen Stadt Aleppo fortgesetzt. Nach den heftigen Luftangriffen auf Aleppo fordert indes die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Ende der schweren Kämpfe in der nordsyrischen Stadt.

Die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von Kämpfen in mehreren Stadtvierteln. Im südlichen Stadtteil Scheich Said nahm die Armee demnach einen Hügel ein, doch die Rebellen eroberten andere Teile des Stadtviertels zurück. Die Angaben der den Aufständischen nahe stehenden Beobachtungsstelle, die sich auf Mitarbeiter vor Ort beruft, können von unabhängiger Seite nur schwer überprüft werden.

In dem von den Rebellen mit Raketen beschossenen westlichen Stadtteil Midan wurden vier Menschen getötet, wie das syrische Staatsfernsehen berichtete. Zugleich verließen demnach Menschen den von den Rebellen gehaltenen Ostteil Aleppos über sogenannte humanitäre Korridore. Die Zahl der Menschen im Osten Aleppos wird auf gut 250.000 geschätzt. In dem von der Regierung kontrollierten Westteil sollen sich etwa 1,2 Millionen Menschen befinden.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenze (MSF) erklärte, seit Juli seien die acht verbliebenen Kliniken in Aleppos Rebellengebieten mindestens 23 Mal angegriffen worden. Die Krankenhäuser würden von der großen Zahl an Verletzten erdrückt. „Die Menschen sterben sprichwörtlich auf dem Boden der Einrichtungen“, teilte MSF mit.

Die strategisch und symbolisch wichtige Stadt Aleppo ist in dem mehr als fünfjährigen Bürgerkrieg das umkämpfteste Gebiet. Die syrische und russische Luftwaffe hatten zuletzt die heftigsten Luftangriffe auf Aleppos Rebellengebiete seit Beginn des Konflikts geflogen. Die Kliniken in Ost-Aleppo zählten in den vergangenen zwei Wochen MSF zufolge mindestens 377 Tote.

Merkel wandte sich in einer Rede in Magdeburg an den russischen Präsidenten Wladimir Putin und forderte ihn auf, auf den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad einzuwirken. Man müsse alles versuchen um einen Waffenstillstand hinzubekommen, sagte Merkel. „Ich kann auch hier nur an Russland appellieren, Russland hat viel Einfluss auf Assad: Wir müssen dieses grauenhafte Verbrechen so schnell wie möglich beenden“, betonte die Bundeskanzlerin.

Syriens Opposition wies zugleich Aussagen des UN-Syrien-Gesandten Staffan des Mistura zur Al-Kaida-nahen Miliz Fatah-al-Sham-Front als „gefährlich“ zurück. De Mistura hatte am Donnerstag unter anderem erklärt, in Ost-Aleppo hielten sich rund 900 bis 1.000 Kämpfer der radikalen Gruppe auf. Damit habe der UN-Vermittler Syriens Regime und Russland eine Entschuldigung gegeben, ihre Luftangriffe auf Aleppo fortzusetzen, erklärte Oppositionssprecher Ahmed Ramadan.

Damaskus und Moskau rechtfertigen die Bombardierungen mit dem Kampf gegen Terroristen. De Mistura rief alle Parteien auf, die Tragödie zu beenden, indem den Kämpfern der Fatah-al-Sham-Front der Abzug ermöglicht werde. Er wäre bereit, sie persönlich zu begleiten.

Moskaus Außenminister Sergej Lawrow forderte eine Beseitigung der Terrorgefahr in Syrien. Dazu werde de Misturas Vorschlag geprüft, sagte er in einem Telefonat mit dem deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier dem russischen Ministerium zufolge. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, Steinmeier habe die Notwendigkeit unterstrichen, dass dringlichst humanitäre Hilfe zu den Hunderttausenden Menschen gelangen müsse, die in Ost-Aleppo eingeschlossen seien.