Aus für ungarisches Traditionsblatt „Nepszabadsag“
Budapest (APA) - Die Tageszeitung „Nepszsabadsag“ (wörtlich Volksfreiheit) verschwindet ab heute (Samstag) vom ungarischen Zeitungsmarkt. Zu...
Budapest (APA) - Die Tageszeitung „Nepszsabadsag“ (wörtlich Volksfreiheit) verschwindet ab heute (Samstag) vom ungarischen Zeitungsmarkt. Zugleich auch deren Internetportal nol.hu. Das entschied der Verlag Mediaworks laut Aussendung. Ein neuer Generaldirektor wurde ernannt, die Mitarbeiter der Redaktion gekündigt. Sie sprechen von einem „Putsch“, denn sie hätten von der Sache nur aus den Medien erfahren.
Der Verlag begründet die Maßnahme mit der Suche nach einem neuen Konzept und der massiven Verringerung der Auflage in den vergangenen zehn Jahren um 74 Prozent und damit um 100.000 Exemplare. Das Blatt hätte seit 2007 Verluste in Höhe von fünf Milliarden Forint (16,45 Mio. Euro) eingefahren. Laut Aussendung von Mediaworks hatte der Wiener Finanzinvestor Vienna Capital Partners (VCP) im Jänner 2014 ein bedeutendes Medien-Portfolio von Ringier und Axel Springer erworben, zu dem auch das Blatt „Nepszsabadsag“ gehörte.
„Nepszsbadsag“ war das größte politische Blatt in Ungarn. Klubradio erinnert daran, dass im Sommer das der Regierungspartei Fidesz-MPSZ nahe stehende Unternehmen „Duna-Aszfalt“ einen Vertrag über den Kauf des Verlages Mediaworks abschloss, der auch „Nepszabadsag“ herausgab. Es sei „Nepszabadsag“ gewesen, die in den vergangenen Wochen über „undurchsichtige Angelegenheiten“ von Antal Rogan, Kabinettschefs von Premier Viktor Orban, sowie des ungarischen Notenbankchefs, György Matolcsy, berichtete. Die entlassenen Mitarbeiter kündigen eine Demonstration an und erklärten: „Da wurde der Pressefreiheit an die Gurgel gegangen“.
„Nepszabadsag“ wurde erstmals im Jahr 1956 herausgegeben. Bis zur Wende war das Blatt die Stimme der Kommunistischen Partei. Es galt später als unabhängig und überparteilich und stand in seinen Inhalten den sozialliberalen Parteien näher als der rechtskonservativen Partei Fidesz-MPSZ.
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